In Dine Petriks Buch geht es um eine Spurensuche und um ein Sittenbild. Nicht in Form eines Romans diesmal, sondern in Gestalt einer handfesten biographischen Recherche, die mit literarischen Mitteln ausgebreitet und zusammengefaßt wird. Die Spurensuche: wo finden sich Belege und Symptome in Kräftners Leben und Werk, die auf das klinische Bild einer Depression oder einer manisch-depressiven Erkrankung deuten?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2012
Hans-Peter Kunisch ruft uns die österreichische Autorin Hertha Kräftner als eine Frau in Erinnerung, die in ihrer Handtasche einen Kalender trug, in den sie ihre Gedichte wie auch die Wirkungen chemischer Substanzen notierte. Der "Kalender voll Gift und Liebe" wurde er genannt, und laut Kunischs Besprechung von Dine Petriks Biografie scheint dies ganz treffend zu sein für eine Autorin, die für ihre vielen Liebhaber und ihren Selbstmord bekannt war. Sehr willkommen ist Kunisch, dass Petrik in ihrem Buch gegen die "Männersprüche" angeht, die sich die so selbstbewusst wie schutzlose Kräftner gefallen lassen musste. Sehr spannend findet er auch, was die Autorin zum großen Trauma der Dichterin herausgefunden hat, die offenbar von vier russischen Soldaten vergewaltigt wurde, woraufhin ihr Vater bei dem Versuch, Vergeltung zu üben, selbst schwer verletzt wurde und den Tod einer Hebamme verschuldete.
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