Sie war mit Anton Kuh verlobt, hat in Venedig Peter Altenberg genervt, war in Berlin Schauspielerin und hat 1939 in Paris ihren erfolgreichen Roman "Barrières" veröffentlicht. Daneben war sie gelegentlich selbst Romanfigur, etwa bei Franz Werfel, und stand Modell für Egon Schiele: Die 1892 geborene Bibiana Amon hatte ein ziemlich aufregendes Leben, und doch ist sie heute nahezu unbekannt. Walter Schübler nimmt uns mit auf eine Spurensuche nach den wenigen Zeugnissen, die von ihr geblieben sind - durch Archive, aber vor allem durch "Barrières". Nahe an ihrem eigenen Leben erzählt sie darin unter anderem von sexuellem Missbrauch in der Kindheit und dem Versuch, traditionelle Rollenklischees zu durchbrechen. So verdichten sich die bruchstückhaften biografischen Quellen zum Bild einer imponierenden Persönlichkeit. Liliana "Bibiana" Amon, 1892 in Linz geboren, 1966 in Paris gestorben. In den 1910er- und 1920er-Jahren verkehrte sie in Wiener Literatenkreisen, danach war sie als Schauspielerin in Berlin. 1936 emigrierte sie mit ihrem jüdischen Ehemann nach Paris. 1939 veröffentlichten die Editions Denoël die französische Übersetzung ihres einzigen Romans "Barrières".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2022
Nikolaus Markgraf hat allen Respekt gegenüber der Recherchearbeit des Literaturwissenschaftlers Walter Schübler. Schübler widmet sich in diesem Buch der Lebensgeschichte von Bibiana Amon, Schriftstellerin, Weggefährtin Egon Schieles, Franz Werfels und Peter Altenbergs. Wie akribisch sich Schübler über die spärlichen Fakten und Daten Amon nähert, Biografie und literarische Zeignisse "säuberlich" trennt und so zu einem Bild der Frau als auch zu einer "gerafften Fassung" ihres autobiografischen Romans "Barrières" gelangt, findet Markgraf bemerkenswert. Neugierig auf den Roman und die Autorin ist der Rezensent allemal geworden.
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