Herausgegeben von Volker Weidermann. Daniel Kehlmann führt uns tief hinein in das Werk des unbekanntesten Großmeisters der deutschen Literatur: Leo Perutz. Voller Verehrung, Begeisterung und mit tiefer Kenntnis stellt uns Kehlmann die Bücher jenes Mannes vor, der 1882 in Prag zur Welt kam, in Wien studierte, in Kaffeehäusern schrieb und in derselben Versicherungsanstalt wie Franz Kafka sein Brot verdiente. Leo Perutz war ein bedeutender Vertreter sowohl der großen osteuropäisch-jüdischen Erzähltradition als auch der Wiener Moderne. Sein Meisterwerk ist der Roman "Nachts unter der steinernen Brücke". Kehlmann beschreibt eindrücklich, welch tiefe Spuren Perutz in seinem eigenen Werk hinterlassen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2024
Rezensentin Susanne Klingenstein hat ein paar Punkte auszusetzen an Daniel Kehlmanns Text über den jüdischen Schriftsteller Leo Perutz. Was das Buch für sie aber nicht minder lesenswert macht. Zunächst ist ihr der "kluge" Text von Kehlmann zu kurz, das Vorwort von Volker Weidermann hingegen zu "platt". Davon abgesehen liest Klingenstein Kehlmanns Analyse von fünf späten Perutz-Werken zwar mit Gewinn, seine Auseinandersetzung mit Perutz' Roman "Nachts unter der steinernen Brücke" macht sie allerdings nicht ganz glücklich: Dass Perutz laut Kehlmann nicht mit einem "großen Schicksal" geschlagen war, kann sie so nicht akzeptieren. Perutz war Jude und lebte nach seiner Flucht aus Wien 1938 in Tel Aviv. Wenn das und die schiere Existenz eines jüdischen Zufluchtsortes kein "unglaublicher Sieg" war, dann weiß Klingenstein auch nicht. Man muss allerdings zugeben, dass die Rezensentin diesen Punkt nicht sehr klar macht.
Rezensentin Tanya Lieske lässt sich von Daniel Kehlmann gern das Werk des österreichischen Schriftstellers Leo Perutz näherbringen. Dass dieser in Vergessenheit geraten ist, liegt laut Kehlmann an dessen Hang zur Privatheit, aber auch an der Tatsache, dass er nach Palästina auswanderte. Kehlmann vergleicht Perutz' Bücher, lernen wir, mit Autoren wie Kafka und Borges, wobei Perutz deutlich geradliniger und realitätsnaher schreibt, dann aber in seine Geschichten Elemente wie den Zufall oder Identitätstausch einbrechen lässt. Hier lassen sich auch Parallelen zu Kehlmanns eigenem Werk ziehen, erkennt die Rezensentin. Insgesamt ein schöner Beitrag zur Erkundung der Literatur des Unwahrscheinlichen, schließt sie.
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