Doppelporträt mit einem Philosophen: Auf der einen Seite die Pastorentochter aus der Provinz, die sich mit verbissener Energie hinaufarbeitet bis zur berühmten Hüterin des posthumen Kults ihres Bruders: Elisabeth Förster-Nietzsche. Auf der anderen Seite, die verwöhnte und faszinierende Generalstochter aus Sankt Petersburg, die Nietzsche zu erotischen Träumereien bringt und schließlich die erste Gesamtdarstellung seiner Philosophie schreiben wird: Lou Andreas-Salome. Für den Erfolg emanzipativer Befreiungsschläge können beide Lebensgeschichten einstehen. Doch so ungleich wie ihre Ausgangsbedingungen waren auch ihre Verläufe. Der Autor zeichnet beide Biografien nach und nützt dabei Nietzsche als Schlüsselfigur.
Dass Lou-Andrea-Salome und Elisabeth Förster-Nietzsche nicht im Schatten der berühmten Männer ihrer Umgebung gezeigt werden, dass das Buch also entgegen seinem Titel nicht "Im Namen Nietzsches" geschrieben wurde, dafür ist Ludger Lütkehaus dem Verfasser Dirk Schaefer dankbar. Vielmehr würden zwei Frauen vorgestellt, die beide um Anerkennung und Selbstbehauptung kämpfen. Die "prägnant geschriebene, vorzüglich lesbare" Doppelbiografie deckt "die historischen und psychologischen" Zusammenhänge zwischen den beiden verfeindeten Frauen mit einem bestechenden "Blick für das signifikante Detail" auf, lobt dann auch der Rezensent. Die Suche nach Parallelen in den beiden Lebensläufen erscheint Lütkehaus aber manchmal übertrieben, etwa wenn Lou Andreas-Salomes Weg zur Psychoanalyse mit dem Weg Elisabeth Förster-Nietzsches zur Bewegung zum Nationalsozialismus verglichen wird.
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