Ulrich Sieg

Die Macht des Willens

Elisabeth Förster-Nietzsche und ihre Welt
Cover: Die Macht des Willens
Carl Hanser Verlag, München 2019
ISBN 9783446258471
Gebunden, 432 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Sie war intelligent, durchsetzungsfähig und konnte Menschen begeistern. Elisabeth Förster-Nietzsche (1846-1935) aber ging in die Geschichte ein als die Frau, die die Schriften ihres Bruders verfälschte und sein Denken den Nationalsozialisten andiente. Ulrich Sieg hat eine Vielzahl unbekannter Dokumente entdeckt. Sie zeigen eine Frau, die ihren Ehrgeiz nur in der Rolle der Schwester ausleben konnte. Höchst erfolgreich publizierte sie den Nachlass ihres Bruders. Das Nietzsche-Archiv entwickelte sich zu einem Treffpunkt der Gelehrten, freilich kam auch Hitler zu Besuch. Eine dramatische Geschichte der Ideen, der Politik - und eines höchst ungewöhnlichen Geschwisterpaars.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2019

Rezensentin Juliane Vogel sieht Elisabeth Förster-Nietzsche als Produkt des Wilhelminismus mit Ulrich Siegs neuer Biografie, die laut Vogel den zeithistorischen Kontext der Figur herausarbeitet und sie in ihren familiären wie ideologiegeschichtlichen Zusammenhängen verständlich zu machen sucht. Laut Vogel gelingt das durch die Sichtung von Briefen, Tagebüchern und Schriften, in denen geschönte Selbstdarstellung und Verzerrungen vorherrschen. Wie geschickt Förster-Nietzsche die Schriften ihres Bruders für das wilhelminische Publikum verwaltete und manipulierte, vermag Sieg zu erläutern, indem er auch die politischen, ideologischen und philosophischen Umstände darlegt. Strategien und Taktiken der Figur werden laut Vogel umfassend in Form der "intellectual history" beschrieben, was für die Rezensentin u. a. eine neue Sicht auf das Nietzsche-Archiv bis 1933 ermöglicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2019

Rezensent Jens Hacke liest Ulrich Siegs Biografie über Nietzsche-Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche mit Interesse. Marketing-Strategien und Manipulation des Nietzsche-Bildes durch die Schwester kann ihm der Ideenhistoriker anschaulich vor Augen führen, wenngleich Sieg es nicht dabei belasse, Elisabeth lediglich als "Hexe der Philosophiegeschichte" zu brandmarken. Vielmehr wusste Nietzsche-Förster, wie sie ihren Bruder der "deutschtümelnden Rechten" mundgerecht servierte. Dass der Autor viel Personal aufbietet, Bekanntes mit zahlreichen Dokumenten neu ergründet und die Bedeutung der Kulturgeschichte in der Nietzsche-Rezeption verdeutlicht, findet Hacke löblich. Dass das Buch zudem "aufregend" und gut geschrieben ist, lässt ihn eine klare Lektüre-Empfehlung aussprechen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.02.2019

Rezensent Thomas Meyer sieht Ulrich Sieg bereits als Kandidaten für eine neue, vielversprechende Nietzsche-Biografie. Vorerst muss er sich mit Siegs Darstellung über Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche als Zentralfigur der deutschen Ideengeschichte begnügen. Und er macht das gern, vermag ihm der Autor seine These doch systematisch und quellenstark zu belegen. Wie Förster-Nietzsche zielstrebig eine eigene Welt um das Zentralgestirn ihre Bruders konstruiert, aufbauend auf Wille und Macht, Reinheit und Geist, kann Sieg Meyer nüchtern und ohne zu denunzieren darlegen, indem er den epistemologischen Gehalt der Stimmungen und Argumente Förster-Nietzsches analysiert und Begleiter, Förderer und Feinde wie Harry Graf Kessler oder Rudolf Steiner auftreten lässt. Sprachlich souverän Bekanntes und Unbekanntes mischend ist das Buch für Meyer ein Beitrag zur Frage nach dem Deutschsein.

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