Im Gegensatz zum allgemeinen Trend ordnet der Autor das Thema konsequent in den Gesamtzusammenhang des Krieges gegen die Sowjetarmee ein. Er vergleicht beide Armeen und ihr Verhalten unter den Aspekten Ideologisierung, Bindung an das Kriegsvölkerrecht, Weisungen der Führung, Verhalten der Truppe, Eskalation der Gewalt, Taktik der "verbrannten Erde", Partisanenkrieg, Behandlung der Kriegsgefangenen und Verhalten gegenüber der Bevölkerung. Das Buch wendet sich gegen einseitige Bewertungen und pauschale Verurteilung. Mit einem Anhang von Heinz Magenheimer über den militärischen Verlauf des Krieges.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010
Keineswegs überzeugend findet Rezensent Rolf-Dieter Müller diese Arbeit über "Wehrmacht und Sowjetarmee im Russlandkrieg 1941-1945", die Dirk W. Oetting vorgelegt hat. Die Intention des Buchs sieht er darin, den von der sogenannten Wehrmachtausstellung und der neueren Militärgeschichtsschreibung angeblich beschädigten Ruf der Wehrmacht wieder herzustellen. Dass der Autor ehemaliger Brigadegeneral der Bundeswehr ist, scheint Müller nicht das einzige Problematische an dem Werk zu sein. Oettings Plädoyer, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs differenziert und "gerecht" zu beurteilen, kann er prinzipiell zustimmen. Er unterstreicht in diesen Zusammenhang jedoch, dass dies in der jüngeren Forschung längst der Fall ist. Bei Oetting allerdings findet er davon nichts, rechne dieser doch Missetaten der Sowjetarmee hoch, die der Wehrmacht herunter. Auch im Blick auf die Quellen, auf die sich Oetting stützt, zeigt sich Müller sehr skeptisch. Er hält dem Autor vor, im "selbstreferentiellen Raum einschlägig bekannter revisionistischer Publikationen" zu verharren. Insgesamt bietet diese Kriegsgeschichte in seinen Augen keinen Erkenntnisfortschritt, sondern Ressentiments.
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