Diskriminierung erlebt?!

Diskriminierungserfahrungen in Sachsen
Cover: Diskriminierung erlebt?!
Nomos Verlag, Baden-Baden 2023
ISBN 9783756003273
Paperback, 404 Seiten, 69,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz. Die Studie vergleicht alltägliche Diskriminierungserfahrungen in unterschiedlichen Lebensbereichen sowie Reaktionsstrategien der Betroffenen entlang von Geschlecht, Rassismus, Behinderung, sexueller Orientierung, Gewicht und weiteren Merkmalen. Zusätzlich werden Einstellungen zu Antidiskriminierungspolitik dargestellt. Dabei zeigen sich starke Ähnlichkeiten zwischen Sachsen und anderen Bundesländern. Die Studie verweist auf rechtliche Schutzlücken sowie mangelnde Unterstützungsstrukturen für Betroffene und basiert auf einer Betroffenen- sowie einer sachsen- und bundesweiten Bevölkerungsbefragung. Das Buch richtet sich sowohl an Wissenschaftler:innen als auch an interessierte Praktiker:innen der Antidiskriminierungsarbeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2023

Ehrenwert ist der Kampf gegen Diskriminierung ja, meint Rezensent Stefan Locke, aber bitte nicht so. Der vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz herausgegebene Band, der auf einer von der Sächsischen Justizministerin Katja Meier beauftragten Studie basiert, geht laut Rezensent deutlich zu weit. Die Ergebnisse überraschen Locke wenig: Die meisten Befragten berichten von Diskriminierung, in Sachsen und auch anderswo. Freilich wird nicht geklärt, was eine berichtete Diskriminierungserfahrung zu einer tatsächlichen Diskriminierung macht, kritisiert Locke, der darauf verweist, dass ein großer Teil der Befragten, sich aufgrund ihres Erscheinungsbilds diskriminiert fühlen. Ob etwa das "Anstarren" einer Person schon Diskriminierung sei: Locke hat da seine Zweifel. Auch dass laut Studie viele Betroffene Hilfe nicht bei staatlichen Stellen sondern im privaten Umfeld suchen, wundert den Rezensenten nicht. Deshalb sieht er auch die Schlussfolgerung der Studie, derzufolge ein Ausbau des öffentlichen Antidiskriminierungsnetzwerks notwendig ist, kritisch: Sinnvoller wären Investitionen in Bildungsinstitutionen, um  "Anstand und Zivilcourage als besten Schutz" gegen jegliche Form der Diskriminierung zu stärken.

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