Die katholische Kirche hat sich seit 1989 - nach einigen Jahren des kritischen Übergangs - gekonnt an das veränderte politische System in Polen angepasst. Sie agiert mit den Methoden einer Interessengruppe, wird aber nicht als solche wahrgenommen. Ausgehend von Ansätzen der Verbändeforschung rekonstruiert Dominik Hierlemann das feingliedrige Kontaktnetz zwischen der Kirche und den wichtigsten politischen Akteuren wie Parteien, Legislative und Exekutive in Polen. Er zeigt, wie die Amtskirche politischen Einfluss ausübt und analysiert die Binnenstrukturen einer der mächtigsten Organisationen sowie deren Einflussressourcen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2006
Instruktiv scheint Rezensent Gerhard Gnauck diese Dissertation über den politischen Einfluss der katholischen Kirche in Polen, die Dominik Hierlemann vorgelegt hat. Deutlich wird für ihn die geschickte Anpassung der Kirche an die veränderte Situation nach 1989, durch die sie sich Macht sichern konnte. Dabei unterstreicht Ganuck die zahlreichen Interviews Hierlemanns mit Kirchenvertretern und Politikern, aus denen hervorgeht, wie die Kirche über informelle Kontakte in der Bürokratie ihren Einfluss geltend macht. Bisweilen kommt die Arbeit für seinen Geschmack allerdings etwas zu theoretisch daher, was die Lektüre nicht immer zum Vergnügen macht. Dennoch fällt sein Urteil insgesamt positiv aus, zumal es Hierlemann gelingt, interessante Einblicke in das Denken von rund 100 katholischen Bischöfen zu bieten.
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