Bearbeitet von Werner Marschall. Adolf Bertram, 1914 zum Fürstbischof von Breslau berufen, seit 1916 Kardinal, nahm als Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz während des Dritten Reiches im Kampf der Katholischen Kirche gegen den totalitären Machtanspruch des Nationalsozialismus eine zentrale Stellung ein. Bertrams "Eingabepolitik" wird von der Geschichtswissenschaft kontrovers beurteilt. Im Hinblick darauf bildet diese vollständige Ausgabe der mehr als 250 Hirtenbriefe und Hirtenworte Bertrams eine wichtige zeitgenössische Quelle. Die Edition deckt die gesamte Breslauer Zeit Bertrams, vom Oktober 1914 bis März 1945, ab. Dabei kommen auch Bertrams Haltungen zum Ersten Weltkrieg, zur Volksabstimmung in Schlesien und zur Demokratie in der Weimarer Republik ins Blickfeld. Pastoraltheologisch wird Bertram als der große Seelsorger seiner Diözese greifbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2001
Kardinal Bertrams Autoritätshörigkeit machte ihm, der "den Nationalsozialismus durchschaut und verworfen" hatte, jede effektive Kritik an der Obrigkeit des Dritten Reichs unmöglich. So das Fazit des Rezensenten Rudolf Ill. Der von ihm besprochene Band versammelt unkommentiert 251 Hirtenworte und Hirtenbriefe (die, worauf Ill nicht hinzuweisen vergisst, "meist sehr ausführlich" sind) aus dreißig Jahre: auch für den ganz offensichtlich wohlwollenden Rezensenten vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Die "politisch relevanten" zu finden, erleichtert immerhin das Register.
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