Aus dem Tschechischen von Nataša von Kopp. Die tschechische Autorin Dora Kaprálová erforscht in "Winterbuch der Liebe" die Beziehung zum anderen, der sich ihr überall im Leben zeigt. Sie schrieb es als literarische Reaktion auf "Eine Frau" des ungarischen Schriftstellers Peter Esterházy. Einen Winter lang verfasste sie jeden Tag eine Vignette über einen Mann, mit dem Gedanken daran, dass sich P.E. eines Tages an den Texten erfreuen würde. (Das tat er auch.) Es ist ein Buch über Männer, aber vielleicht auch nur über einen einzigen, facettenreichen und schwer fassbaren Mann, denn es geht um Liebe. Dass manchmal Ungeheuerlichkeiten zur Sprache kommen, tut der Autorin verständlicherweise sehr leid. Sie weiß, dass ohne sie einigen der kleinen Szenen die innere Wahrheit fehlen würde. Denn lebensspendende Energie kommt nicht nur vom gewöhnlichen Sex, sondern auch von einer überirdischen Sehnsucht. Das spüren auch die Rehe, wenn sie nach der Jagdsaison schweigend am Salz lecken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2025
In Anlehnung an Peter Esterházy hat Dora Kaprálová ein "Panorama der Begegnungen" in 79 kurzen Texten entworfen, die sich wie komplementär zu Esterházy ausnehmen: Er hat über Frauen geschrieben, sie schreibt über Männer ganz unterschiedlicher Verfassung zwischen alt und jung, ihr bekannt und weit entfernt, erfahren wir von Rezensent Tilman Spreckelsen. In den Geschichten geht es um Liebe, Tod, Begegnungen und verpasste Momente, manchmal reagieren die einzelnen Erzählungen aufeinander, erzählt der Kritiker. Besonders beeindruckt an diesem "oft abgründigen" Buch, wie Kaprálová die Fehlschläge und Leerstellen dieser Geschichten in den Blick nimmt: das passt gut zur "Kontemplation des Winters", wie er versichert.
Ein tolles Buch für Liebende und solche, die es werden wollen, hat Dora Kaprálová laut Rezensentin Stephanie von Oppen geschrieben. Eine ganze Reihe kurzer Geschichten enthält das Buch, das die Autorin beim Ersterscheinen Peter Esterhazy gewidmet hat, zumeist beginnen sie mit den Worten "Es gibt einen Mann", und im Anschluss wird ausgeführt, erläutert Oppen, dass und warum die Erzählerin diesen Mann liebt oder gelegentlich auch hasst. Oppen geht auf einige dieser Liebesminiaturen näher ein und auf die verschiedenen Männer, die dieses Buch hauptsächlich füllen, darunter ein Mitarbeiter eines Bahnhofsrestaurants oder ein dünner Mann, dessen Vater mit der Freundin der Erzählerin schläft. Auch um das Verhältnis des einen, über alles geliebten Mannes zu all den anderen Männern geht es bei Kaprálová, beschreibt die Rezensentin, die insgesamt sehr angetan ist von dieser lüsternen, großherzigen Liebeserklärung an die Liebe.
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