Dorothee Risse (Hg.), Margarete Zimmermann (Hg.)

"Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe"

Das Neue Berlin aus französischer Sicht
Cover: "Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe"
Kadmos Kulturverlag, Berlin 2020
ISBN 9783865994523
Kartoniert, 208 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe" - so Cécile Wajsbrot über die Fast-Unmöglichkeit, das neue Berlin zu erfassen. Die Stadt erscheint, nicht nur im Vergleich zu Paris, als im ständigen Wandel begriffen und als Laboratorium für neue Lebensformen. Das Unfertige, Brüchige und Fragmentarische fasziniert auch andere Autor*innen aus französischsprachigen Ländern. Seit 1989 kommen viele von ihnen nach Berlin, mit einer Vorliebe für "vibrierende Räume" (K. Schlögel) wie Prenzlauer Berg und Mitte. Andere wiederum entscheiden sich für Kreuzberg, Charlottenburg oder Marzahn und akzentuieren lustvoll das Aus-der-Zeitgefallensein dieser Stadträume. Die Anthologie präsentiert Impressionen des neuen (und 'alten') Berlin, aufgezeichnet von 22 Autor*innen unterschiedlicher Altersgruppen, aus Frankreich, aber auch aus Belgien, Kanada und der Schweiz. Die meisten Texte, geschrieben in den letzten 25 Jahren, wurden für diesen Band erstmals ins Deutsche übersetzt. So entsteht ein vielstimmiges, zuweilen auch durchaus dissonantes Berlin-Lesebuch - eine Einladung, im Medium des 'fremden Blicks' das Faszinationspotential dieser Stadt zu ergründen sowie ihre Fähigkeit, Emotionen wie Trauer, Euphorie oder Melancholie freizusetzen. Für ein deutschsprachiges Lesepublikum eröffnen sich dabei verblüffend neue Perspektiven auf das Berlin nach dem Mauerfall.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2020

Mit großer Kenntnis bespricht der hier rezensierende Romanist Niklas Bender zwei Anthologien französischer Texte über Berlin und Deutschland (eine davon ist von der Zeitschrift Lendemains erstellt worden und nur auf französisch zu lesen). Im vorliegenden Band besticht ihn eine erstaunliche Lebendigkeit, mit der sich eine neue Generation französischer AutorInnen der Stadt Berlin annähert. Einer der Gründe für diese Lebendigkeit: Die alte französische Selbstgewissheit sei dahin. Saint-Germain-des-Près wird selbst von Parisern nicht mehr als das Zentrum der Welt angesehen, um so wacher der Blick. Toll die Berlin-Beschreibungen, die Bender zitiert, etwa das Erstaunen Julien Samonis über "Straßen so breit wie gestrandete Wale". Bender bedauert nur eins, das Fehlen einiger Autoren der "Inculte"-Gruppe, die er als eine der wichtigsten der letzten Zeit ansieht. Zu ihr gehört etwa Camille de Toledo. Ihn kann man in der Lendemains-Anthologie nachlesen.
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