Griechenlands Image hat im letzten Jahr arg gelitten, seit das Land knapp am Staatsbankrott vorbeigeschlittert ist. Nun wird in Deutschland nur noch über Misswirtschaft und Korruption geredet, wie ehedem von der weiß-blauen Inselherrlichkeit geschwärmt worden war. Zerrbilder das eine wie das andere. Das weiß niemand besser als Eberhard Rondholz, der seit Jahrzehnten über die Vorzüge und die Schattenseiten Griechenlands berichtet. In diesem Buch schreibt er vom Moloch Athen und seinen liebenswerten Seiten, vom Alltag der Neugriechen und ihrem gebrochenen Verhältnis zu den antiken Vorfahren, vom Dauerkonflikt mit der Türkei und dem Umgang mit ethnischen und religiösen Minderheiten, von der Lust der Griechen am Streiken und schließlich von ihrer Gabe, selbst in Zeiten der größten wirtschaftlichen Krise die Kultur der Gastfreundschaft zu pflegen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.11.2011
Mit dem Plauderton eines alten hellenischen Geschichtenerzählers durchs Krisenland, das lässt sich Helmut Lolhöffel gefallen. Allerdings geht es dem Autor nicht um spießige Griechenland-Schwärmerei, wie uns der Rezensent entwarnend berichtet, auch nicht um Schadenfreude, nein, sondern um einen kritisch distanzierten, wissensreichen Blick, getragen von der Grundsympathie eines Kenners (mit Teilwohnsitz in Skopelos). Auf die Art erfährt der Rezensent über Sirtaki und Dorfbräuche, über mangelnde Steuermoral, Korruption, sich selbst bereichernde Eliten und irrwitzige Rüstungsgeschäfte im schönen Griechenland, aber eben auch über lukrative Waffengeschäfte mit der Bundesrepublik, angestiftet von Herrn Westerwelle.
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