Mit einem Nachwort von Uwe Timm. Egon Schwarz wurde 1938 als Sechzehnjähriger von den Nazis aus Österreich vertrieben und zog in einer ein Dutzend Jahre währenden Irrfahrt durch die halbe Welt. Als Hilfsarbeiter, Hausierer, Laufbursche, Dolmetscher und in etlichen anderen aus der Not geborenen Berufen schlug er sich mehr schlecht als recht durch, bis er gegen alle Wahrscheinlichkeit noch seinen Lebenswunsch verwirklichen und studieren konnte. Heute, nach Professuren in Harvard und St. Louis, ist Egon Schwarz einer der renommiertesten Germanisten der USA.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2006
Nicht nur beeindruckt, sondern regelrecht ergriffen zeigt sich Rezensentin Susanne Klingenstein von Egon Schwarz' Autobiografie. Dazu trägt der "formal vollendete" Stil des Buches bei, der ohne jede Verklärung oder unnötige Emotion das Schicksal Schwarz' und seiner Bekannten: angefangen von den Mitgliedern der Familie, denen die Flucht vor der Vernichtung nicht gelang, über die Wiener Juden bis zu den ausgebeuteten Indios in den Bergwerken Boliviens, wo der Autor zwei Jahre lang arbeiten musste. Wichtig sei auch Schwarz' Hinweis am Ende seines Berichtes, dass ihm aller Überlebenswille und auch alle Fähigkeiten nichts genutzt hätten, wenn ihm nicht im entscheidenden Moment hier und da andere Menschen geholfen hätten. Ein "aufrüttelndes" Buch, resümiert die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.02.2006
Das "Unfreiwillige" in Egon Schwarz' Lebenserinnerungen beginne schon mit dem aus seiner Sicht "schlecht gewählten" Zeitpunkt der Geburt, berichtet Rezensent Christoph Bartmann. Der Erzähler beschreibe zunächst die Kindheit und Jugend in einem Wien, in dem sich Arbeitslosigkeit und Antisemitismus ausbreite. Das jüdische Milieu seiner Herkunft werde von Schwarz mit einem "Riss" dargestellt, zwischen traditioneller Lebensweise und Assimilation an eine "idealisierte deutsche Kultur". Nie, so der Rezensent, erzähle Schwarz direkt von sich, vielmehr immer von "seinesgleichen". Aber über diesen Umweg erfahre der Leser dennoch viel vom jugendlichen Egon Schwarz, der in seiner "wachsamen" Art wie gewappnet erscheint für den harten Weg, der noch vor ihm liegt. Dieser führt auf der Flucht vor den Nazis nach "Potosi", in eine bolivianische Zinngrube mit infernoartigen Zuständen. Gewissermaßen habe Schwarz die Zinngrube anstelle des KZ überlebt, um später als Literaturhistoriker an einer amerikanischen Universität zu arbeiten. In einem Nachwort, so der Rezensent, betone Uwe Timm ganz zurecht das "Pikareske als das Formgesetz" von Schwarz' Lebenserinnerungen, die das Zeug hätten, zu einem "kanonischen Überlebens-Dokument" des 20. Jahrhunderts zu werden.
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