Am 17. Oktober 1910, dem Geburtstag seiner Mutter, schießt sich Carlo Michelstaedter mit dreiundzwanzig Jahren in Görz ein Loch in den Kopf und ist sofort tot. Egyd Gstättner schickt, fast ein Jahrhundert danach, einen ambitionierten Schriftsteller auf die Spur der rätselhaften Tat und ihrer Vorgeschichte und verwebt so die historische Gestalt mit der Gegenwart. Er stößt auf Briefe des schwärmerischen, talentierten jungen Mannes, in denen dieser seinem besten Freund sein Leid klagt, vollzieht dessen Reisen von Wien über Görz bis Florenz nach und findet so immer tiefer in die Psyche des verkappten Zeichners und Philosophen. Es ist das Psychogramm eines Gefangenen seiner selbst, den seine Sehnsüchte und seine Sinnsuche ebenso überfordern wie die übermächtige Mutter.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2009
Ohne Freude hat sich Volker Breidecker durch Egyd Gstättners Roman über den Philosophen, Dichter und Maler Carlo Michelstaedter gekämpft. Michelstaedter wurde 1887 geboren und nahm sich 1910 das Leben, nachdem er die nach Einschätzung des Rezensenten "merkwürdigste" Dissertation aller Zeiten geschrieben hatte. Gstättner lässt nun einen Gegenwartsautor, der wie Michelstaedter an den Melancholien der Geistesmenschen leidet, dem Leben der historischen Figur nachspüren, wobei er für den Geschmack Breideckers allzu intimen Einblick in die inneren Beweggründe des jungen Philosophen zu haben meint. Diesem doppelten Intellektuellenroman kann der Rezensent auch deshalb nicht viel abgewinnen, weil er seiner Meinung nach mit allzu viel Literatur belastet ist, was ihn zu einer ziemlich "zähen" Lektüre mache. Und selbst der "sardonische Witz", mit dem Gstättner seine Geschichte unterlegt, vermag den Rezensenten nicht von diesem Roman zu überzeugen.
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