Die Unbußfertigen
Roman

Aufbau Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783351042585
Gebunden, 352 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Das Netz als Echokammer, die Sichtbarkeit als Währung, das Schweigen als Strafe. Zehn Menschen, wie sie das Netz hervorgebracht hat, folgen einer Einladung in ein abgelegenes Herrenhaus. Ein Event? Auf jeden Fall, nur ohne Empfang. Darunter eine Mutter, die ihre Kinder zur Marke gemacht hat. Eine Busfahrerin zwischen Heilstein und Hassrede. Eine Influencerin mit dem berühmtesten Arsch des Landes. Drei Frauen mit Followerzahlen wie Aktienkurse. Sieben Männer im Kommentarbereich. Doch plötzlich ist alles real. Offline. Immer mehr von ihnen verschwinden. Und jemand sieht zu.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.11.2025
Nachdenklich gestimmt durch die Lektüre von Elina Penners neuem Roman fragt sich Rezensentin Vera Drude: Spielen auch wir, die Gegenwärtigen, nicht vielleicht schon längst in einem Spiel mit, dessen Regeln wir nicht mehr verstehen - so wie die Figuren in Penners Roman? In einer facettenreichen Mischung aus Gesellschaftssatire, Dystopie und Thriller erzählt Penner von einer Welt, in der Prozesse und Phänomene unserer Gegenwart extrapoliert erscheinen: Die Rechten sind an der Macht, Bücher und Medienbildung wurden abgeschafft, Überwachung ist allgegenwärtig. In dieser "zu schrillen, zu entfesselten" Welt, lesen wir, werden zehn erfolgreiche Influencer von der mächtigsten Social Media Plattform ihrer Zeit auf ein Herrenhaus eingeladen, aus dem nun 24 Stunden lang live gestreamt wird. Als der erste von ihnen verschwindet, wird klar: Sie sind hier keine Gäste, sondern Teilnehmende in einem Spiel, aus dem sie nicht mehr aussteigen können. Mit "Die Unbußfertigen" hat Penner einen spannenden, überraschenden und klug arrangierten Roman geschrieben, der verstört im besten Sinne, so die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.11.2025
Rezensent Tobias Lentzler sieht das Potenzial von Elina Penners neuem Roman, ist mit der Ausführung aber nicht recht zufrieden. Entworfen wird darin ein Reality-TV-ähnliches Szenario, in dem 10 Influencer:innen ohne Internet in ein altes Herrenhaus gesteckt werden, wo sie einer App ("Haimlik") ihre schlimmsten Geheimnisse verraten müssen, die dann wiederum allen anderen geleaked werden - sie sollen Reue zeigen und werden ohne ihr Wissen gefilmt. Entworfen sei die App von der Exfrau einer stark an Elon Musk erinnernden Figur. Dass es dabei zusätzlich zu Social-Media-Kritik um jedes einzelne Schicksal der Teilnehmenden geht, macht den Plot schon ziemlich überladen, findet Lentzler - und hat auch andere Probleme: das Setting werde sprachlich nicht genügend bebildert, der Kammerspiel-Anspruch löse sich nicht ein und die Beschreibungen einzelner Figuren lassen Logiklöcher offen. Gut getan hätte es dem Roman, hätte sich die Autorin nur auf ihre Protagonistin Natasch und das Hauptthema von Demütigung von Frauen im Netz fokussiert, meint der Kritiker - so wolle der Roman aber einfach zu viel, trotz intelligenter Dialoge und "gegenwartsnaher" Sprache, schließt er.