Elisa Hoven

Das Ende der Wahrheit?

Wie Lügen, Fake News und Framing unsere Gesellschaft bedrohen - und was wir dagegen tun müssen
Cover: Das Ende der Wahrheit?
DuMont Verlag, Köln 2025
ISBN 9783832168155
Gebunden, 256 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Wem oder was können wir noch glauben? Digitale Neuheiten wie Social Bots oder Deepfakes, aber auch Täuschungen durch Medien und Politik erschüttern zunehmend unser Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Die Verfassungsrichterin Elisa Hoven zeigt, worin die größten Gefahren dieser Entwicklung liegen und was wir tun müssen, um den gesellschaftlichen Frieden zu retten. Anhand von Beispielen aus der Migrationspolitik, der Coronapandemie oder dem Klimawandel erläutert sie, wie Falschinformationen und eine einseitige Berichterstattung die Grundlagen gesellschaftlicher Entscheidungsprozesse zerstören. Um den vollständigen Vertrauensverlust in die Politik und den Siegeszug radikaler Kräfte zu stoppen, fordert sie fundamentale Änderungen. Dazu gehören eine umfassende Überarbeitung des Strafrechts und die Schaffung weiterer Digitalgesetze, eine Abkehr vom Haltungsjournalismus sowie die Vermittlung umfassender Medienkompetenz in den Schulen. Noch können wir unsere friedliche, offene Gesellschaft bewahren. Doch wir müssen handeln.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.11.2025

Wenig überzeugt ist Rezensent Deniz Yücel von den Schlüssen, die Elisa Hoven aus den aktuellen Diskussionen um Fake News zieht. Hoven setzt sich in ihrem Buch für einen Wahrheitsbegriff nach wissenschaftlichen Maßstäben ein - soweit folgt ihr Yücel noch gerne. Wenn sie jedoch vor der Gefahr durch faktisch falsche Äußerungen in der Öffentlichkeit schreibt, diese juristisch ahnbar machen möchte und selbst gebrochene Wahlkampfversprechungen strafbar machen will, dann geht das Yücel zu weit. Individuen sollten natürlich die Möglichkeit haben, gegen Falschbehauptungen vor Gericht vorzugehen, findet der Rezensent, aber wenn die Wahrheit selbst zum Subjekt des Rechts wird, landen wir im Totalitarismus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2025

Allzu begeistert ist Rezensentin Hannah Schmidt-Ott nicht von Elisa Hovens Buch über Wahrheit und Lüge in der gegenwärtigen Mediengesellschaft. Schmidt-Ott lernt zwar einiges darüber, wie Bots und andere übel wollende Akteure die Wahrheit verzerren und framen, sowie auch darüber, wie Politik und Medien zum Beispiel mit gebrochenen Wahlversprechen die Leute in die Arme der sozialen Netzwerke treiben, wo es um die Wahrheit schlecht bestellt ist. Schließlich erfährt sie auch auch von den Schwierigkeiten einer juristischen Bewertung von Wahrheit und Lüge - ein Gesetz, das Fake News beikommt, gebe es etwa nicht. Aber letztlich findet sich laut Rezensentin nicht allzu viel Neues im Buch, und über Lügen, die auf Ressentiments zurückzuführen sind, liest sie wenig bei Hoven. Das ist alles in allem
etwas dünn, meint Schmidt-Ott.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025

Durchaus interessiert liest der Jurist Ronen Steinke dieses Buch seiner Kollegin Elisa Hoven, der Leipziger Strafrechtlerin Elisa Hoven, die auch Richterin am Verfassungsgerichtshof in Sachsen ist. Hovens Forderung, dass der Staat stärker - bzw. überhaupt - gegen Lügen vorgehen muss, schließt sich der Kritiker durchaus an: Historische Tatsachen können bisher ebenso medial geleugnet werden wie bewusst manipuliert werden kann, erinnert Steinke. Entsprechend präsentiert die Autorin hier zahlreiche Ideen für mehr Verbote und Strafen: So schlägt sie vor, Flunkereien in Wahlkämpfen (Merz' Versprechen, die Schuldenbremse einzuhalten) ebenso unter Strafe zu stellen wie Lügen im Lebenslauf bei Bewerbern. Dass Hoven mitunter zum "Mäandern" neigt, macht die Lektüre des "schwungvoll" geschriebenen Buches für den Rezensenten allerdings ein wenig mühsam, auch, weil ihr Plädoyer dadurch nicht immer konsistent bleibt: So wirft sie den Medien zwar bei polarisierenden Debatten Einseitigkeit vor, fordert aber zugleich, kritische Aussagen zur Flüchtlingspolitik unter Strafe zu stellen.

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