Elisabeth Hüls

Johann Georg August Wirth (1798-1848)

Ein politisches Leben im Vormärz
Cover: Johann Georg August Wirth (1798-1848)
Droste Verlag, Düsseldorf 2004
ISBN 9783770052561
Gebunden, 609 Seiten, 78,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.01.2005

Immerhin beachtlichen Mut bescheinigt Karl Markus Gauß der Autorin Gabriele Riedle, sonst äußert er sich eher zweischneidig über diesen Roman. In "polemischer Bestform und außer poetischer Kontrolle" hat er Riedle hier erlebt und eine "bizarre Geschichte, in der fast alles, worüber in den letzten Jahren geredet und geschwätzt wurde, durchgekaut und verächtlich ausgespuckt" werde. Solange sie sich dabei in Kulturkritik übe, findet Gauß sie auch von schlagendem Witz, zu beachtlicher Peinlichkeit sieht er sie dann gesteigert, wenn sie ihren weiblich-sinnlichen Überschwang bemüht. Hier raunt und rauscht es, und das wüste Leben ist weniger etwas, in das die Autorin hineinzieht, als etwas, zu dem sie grimmig entschlossen scheint. Dabei weiß Gauß nicht zu entscheiden, ob Riedle pennälerhafte Emphase ("Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?") wirklich ernst gemeint ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.10.2004

Johann Georg August Wirth (1798-1848) hat einen festen Platz in der historischen Literatur zum Vormärz inne, berichtet der "rox." zeichnende Rezensent. Paradoxerweise spiele er dort eine eher mythische oder - von der ehemaligen DDR-Historiografie - ins "Kleinbürgerliche" abgedrängte Rolle. Eine "politische", an "reichem Quellenmaterial" orientierte Biografie Wirths, hat nun die Münchner Sozialhistorikerin Elisabeth Hüls vorgelegt. Auf das Buch geht der Rezensent allerdings nicht weiter ein. Stattdessen erfahren wir einiges über Wirth: Nachdem Wirths juristische Karriere gescheitert war, weil er die Promotionsgebühren nicht bezahlen konnte, begann er, politisch radikalisiert, eine rasante publizistischen Karriere, nutzte die Lücken der Zensur, votierte stets für die Stärkung der bürgerlichen Rechte. Als einer der Organisatoren des berühmten "Hambacher Festes" hielt er 1832 eine Rede, die von vielen Tausenden gehört wurde und die ihm Untersuchungshaft einbrachte.
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