Wie lebten Handwerker, Land-, Heim- und Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert? Jürgen Kocka stellt dar, wie Arbeiterinnen und Arbeiter zwischen Pauperismus und Industrieller Revolution arbeiteten, darbten, feierten, konsumierten, in Krisen litten, ihr Überleben organisierten und sich behaupteten. Lebensläufe, Familienverhältnisse, Wanderungen, die Bildung und die Mentalitäten der Arbeiter, ihre Hoffnungen und Ängste kommen ebenso zur Sprache wie die Konsolidierung neuer politischer und sozialer Ansprüche zwischen Vormärz und Kaiserreich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2016
Winfrid Halder kann Jürgen Kockas beinahe trotzige, im Sinne moderner Sozialgeschichte unternommene Erkundung der Arbeiterkultur in Deutschland zwischen 1830 und 1871 gar nicht genug preisen. Ertragreich findet er nicht nur Kockas sozialgeschichtlichen Ansatz, der nachvollziehbar mit dem Begriff der "Klasse" operiert, wie Halder erklärt, sondern auch das vom Autor verfolgte Prinzip der Differenzierung, das dem Leser laut Halder zwar keine einfachen Antworten bietet, aber dafür eine in vieler Hinsicht erhellende Lektüre. Kockas jahrelange Beschäftigung mit der Arbeitergeschichte fließt ein, meint Halder, und lässt zusammen mit biografischen und fiktionalen Quellen ein breites Panorama der Arbeiterlebenswelt entstehen. Das fragmentierte Gesamtbild bietet Halder Anknüpfungspunkte an gegenwärtige Diskussionen über Armut, Familie und Migration.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.04.2016
Wilhelm von Sternburg findet eine saubere wissenschaftliche Untersuchung prallvoll mit Erkenntnis in Jürgen Kockas Buch über "Arbeiterleben und Arbeiterkultur". Dass es dem Autor nicht um die Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung geht, sondern um die Darstellung einer sozialen Klasse zwischen 1830 und 1890, als Landwirtschaft von Industrieproduktion abgelöst wurde, Heimarbeit von Fabrikarbeit, findet Sternburg spannend. Der Autor vermag ihm zu zeigen, dass das wirkliche Elend der Massen vor der industriellen Revolution lag, aber auch, dass Arbeiterbewegung nicht unbedingt gleich Fortschritt war, sondern mit Sexismus, Nationalismus und Rassismus verbunden sein konnte. Mit manch weiterem Vorurteil räumt der Autor laut Sternburg auf und setzt so neue Maßstäbe für eine soziologische Deutung der Arbeiterkultur, meint der Rezensent.
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