Zwischen Herbst 1942 und Frühjahr 1944 bewachten 28 SS-Aufseherinnen die im Konzentrationslager Majdanek inhaftierten Frauen. Ihre Motive, sich als SS-Aufseherin zu bewerben und die von ihnen ausgeübte alltägliche "Gewalt im Dienstalltag" untersucht Elissa Mailänder Koslov anhand von NS-Dokumenten, Zeugenaussagen, Filmen und Erinnerungsliteratur. Ihre Studie nimmt die Machterfahrung und Selbstermächtigung, die zunehmende Brutalität gegenüber den Häftlingen, aber auch die Binnenverhältnisse und Konflikte zwischen den Frauen, das Verhältnis zu den männlichen Kollegen und das Machtgefüge im Lager in den Blick. Die von den SS-Aufseherinnen ausgeübte physische Gewalt war nicht allein "von oben" befohlen. Auf allen Dienstebenen verfügten sie über gewisse Handlungsspielräume und Möglichkeiten, die Anordnungen zu interpretieren: Und davon machten sie auch reichlich Gebrauch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2010
Sehr instruktiv findet der Rezensent Bernward Dörner diese Untersuchung zu den Aufseherinnen im Konzentrationslager Majdanek, dessen Todeszahlen der Rezensent nur noch mit mehreren zehntausend angibt. Die Autorin Elissa Mailänder Koslov wertet vor allem die Ermittlungs- und Verfahrensakten aus dem Düsseldorfer Majdanek-Prozess von 1975 bis 1981 aus. Dabei konnte Mailänder Koslov dem Rezensenten schlüssig darstellen, wie sich die meist einfachen Verhältnissen entstammenden Frauen mit ihrer Arbeit identifizierten, auch wenn nicht klar ist, ob sich die Frauen freiwillig zu diesem Dienst gemeldet haben. Deutlich werden lässt die Studie allerdings, dass es durchaus Handlungsspielraum gab, den die Aufseherinnen sehr unterschiedlich nutzten. So wurden einige für ihre Exzesse mit den entsprechenden Beinamen belegt ("Stute", "Blutige Brigida"), während andere als "Perlchen" oder "Mutti" figurierten, wie der Rezensent berichtet.
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