Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth und Walter Ahlers. Shirley Falls ist eine typische Kleinstadt in Maine: hohe Arbeitslosigkeit, viele Alte, wenige Junge, wirtschaftlicher Niedergang, in neuester Zeit auch noch Aufnahmeort für muslimische Flüchtlinge aus Somalia. Als einzige der drei Burgess-Geschwister ist Susan hiergeblieben, ihr Mann hat sie schon lang verlassen, der 19-jährige Sohn Zachary wohnt bei ihr in dem eiskalten, ungemütlichen Häuschen. Als der verschlossene, einsame Junge eines Tages einen halb aufgetauten Schweinekopf in die behelfsmäßige Moschee rollen lässt, ist die kleine Gemeinde erschüttert. Ein rassistisches Verbrechen? Auf jeden Fall ein Skandal, mit dem Susan allein nicht fertig wird. Und so bittet sie ihre Brüder Jim und Bob um Hilfe, die als Anwälte in New York arbeiten. Nichts zieht sie mehr nach Shirley Falls zurück. Aber natürlich folgen sie dem Hilferuf der Schwester, nicht ahnend, dass ihre Rückkehr nach Maine ihr bisheriges Leben vollkommen umkrempeln wird...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
Elizabeths Strouts neuen Roman "Das Leben, natürlich" kann Rezensent Thomas Leuchtenmüller nur unbedingt empfehlen. Den Ausgangspunkt dieses packenden Buches bildet der reale Fall eines Mannes, der 2006 den gefrorenen Kopf eines toten Schweins in eine Moschee in Lewiston wirft, in der somalische Immigranten beten, berichtet der Rezensent. Von da aus erzähle Strout die komplexe Familiengeschichte des Täters, richte aber den Fokus bald ganz auf das Beziehungsgeflecht zwischen seiner Mutter Susan, ihrem Zwillingsbruder Bob, der als perfekter, aber bemitleidenswerter Jurist auftritt, und dem Bruder Jim, dem erst spät ein wenig Glück zuteil wird. Leuchtenmüller attestiert der Autorin nicht nur einen herausragenden Sinn für Details und Tiefgründigkeit, sondern bewundert auch ihr Gespür für "zart Empfundenes". Darüber hinaus gelinge es ihr auf eindrucksvolle Weise, menschliche Themen wie Einsamkeit, Betrug, Krankheit, Therapie und Tod mit einem Skandal und beeindruckenden Naturimpressionen zu verbinden. Ein liebevoller, fesselnder und einfühlsamer Roman, der sich mit gutem Gewissen und einer eigenen Stimme in die Tradition des Regionalismus eines Mark Twain, William Faulkner oder John Updike einreihen kann, urteilt der Rezensent.
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