Aus dem Amerikanischen von Alex Stern. Das, was es nicht ist, ist das Besondere an diesem Buch: Es ist keine große Reportage, keine detaillierte Analyse, keine politische Denkschrift und kein berichthaftes Tagebuch. Ellis Avery hat einfach nur ein beinahe zartes Zeugnis für das hinterlassen, was bei historischen Ereignissen schnell unsichtbar wird: die Gefühle der Menschen. Wie die ganze Stadt erlebte sie einen Schrecken, mit dem fernab von den Kriegsschauplätzen dieser Welt nie gerechnet wird. Auf das normale Leben senkten sich mit einem Schlag Tod, Bedrohung und Unsicherheit herab, gefolgt von dem Gefühl, irgendetwas tun zu müssen, um sich zu schützen, zu retten, weitere Gewalt zu verhindern und zurückzufinden in eine Normalität.
Rezensent Tobias Lehmkuhl findet Ellis Averys im Original bereits 2003 erschienenes Tagebuch über 9/11 nicht parasitär. Die Schlichtheit und Authentizität der Einträge unter dem unmittelbaren Eindruck der New Yorker Terroranschläge befördern diesen Eindruck des Rezensenten. Dass die Autorin weniger reflektiert und analysiert als zu schildern, was sie sieht und empfindet, gefällt Lehmkuhl. Die Verwirrung und die Angst jener Tage werden für ihn greifbar.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.09.2021
Rezensent Ingo Arend ist gerührt von Ellis Averys Tagebuch, das den Schock nach 9/11 seiner Meinung nach besser einfängt als jede Reportage. Die Zäsur des Datums wird für ihn gerade in der subjektiven Perspektive auf Alltägliches sichtbar, in der Sorge der Autorin um Angehörige und die Angst vor Lebensmittelknappheit, aber auch vor den Rachegelüsten der eigenen Nation. Dass im Buch Schrecken und Schönheit nebeneinander stehen, der Blick auf die Trümmer neben dem Blick auf Blütenblätter, gefällt Arend gut. Der Autorin gelingt das Kunststück, den historischen Moment authentisch und kunstvoll zugleich zu erfassen, findet er.
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