Welche Folgen hat die dramatische Überalterung der Gesellschaft für unsere Demokratie? Werden einige wenige wohlsituierte "Best Ager" und "Silver Surfer" die politische Partizipation an sich reißen und eine Wutbürger-Interessenvertretung betreiben, die nur die Bedürfnisse ihrer Altersgruppe im Blick hat? Oder erfüllt sich die demokratische Hoffnung auf eine erweiterte und intensivierte politische Beteiligung der Seniorinnen und Senioren, die allen Generationen zugutekommt? Damit letzteres gelingt, so Emanuel Richter, müssen die herrschenden Altersbilder kritisch durchdacht, die soziale Spaltung im Kreis der Senioren vermindert und die spärlichen Beteiligungsangebote phantasievoll erweitert werden. Demokratie statt Demenz lautet die Devise.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2020
Rezensent Günther Nonnenmacher findet nicht die Spur einer Analyse der politischen Folgen der Überalterung in Emanuel Richters Buch. So enttäuscht er sich darüber zeigt, so gelangweilt ist er von Richters Statistik-Feuerwerk im ersten Buchteil und von dessen Vorschlägen zu einer lebendigen Seniorendemokratie im weiteren. Alles eher bekannt, findet Nonnenmacher. Die im Buch vorgestellten Altersbilder "von Plato bis Christine Westermann" betrachtet der Rezensent zwar mit Interesse. Absurd aber findet er, was der Autor den Senioren schließlich rät: "Demokratie statt Demenz". Als wenn es so einfach wäre.
Rezensent Samuel Salzborn fällt auf, dass Emanuel Richter in seinem Plädoyer für basisdemokratische Impulse aus Altenheimen nur über Senioren spricht, nicht über Seniorinnen. Weitere Einwände hat er gegen Richters Statistik-Glauben und dagegen, dass der Autor davon ausgeht, dass "demente" Demokratie nur mit dem Alter zu tun hat, nicht mit sozialen und politischen Differenzen. Wie Richter Empirisches mit Theorie verbindet, Statistik mit Reflexion zum Thema Überalterung, scheint Salzborn allerdings erkenntnisfördernd.
Christina Janssen liest das Plädoyer des Politologen Emanuel Richter für mehr politische Teilhabe von Senioren mit gemischten Gefühlen. Die Forderung des Autors, Senioren sollten "Treiber und Träger" der Demokratie sein, kann Janssen nachvollziehen, allerdings findet sie, Richter übertreibe es mit seinen Forderungen, wenn er private Vererbung im Sinne der Solidarität reglementieren möchte. Insgesamt scheint Janssen das Buch aber ausgewogen in der Argumentation, was daran liegen mag, das der Autor der Generation angehört, über die er schreibt. Die "spröde" wissenschaftliche Sprache sollten von der Lektüre nicht abhalten, meint die Rezensentin, denn Richter bietet unter anderem spannende Exkurse zu Altersbildern gestern und heute.
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