Aus dem Französischen von Thomas Laugstien. Diese Ausgabe bietet Gelegenheit, die am wenigsten bekannte Seite des großen französischen Sprachwissenschaftlers kennenzulernen. In einer Weiterführung und kritischen Überschreitung von Saussures strukturalistischer Konzeption der Sprache widmet sich Benveniste der Untersuchung des subjektiven Äußerungsaktes, der Produktion von Sinn als eines besonderen Vorgangs, hervorgebracht durch den Austausch lebendiger Subjekte. Seine Überlegungen zur Sprache als Produktion führen Benveniste zu einer Analyse der Schrift als eines Werkzeuges, welches das Produktionsvermögen der Sprache realisiert. Als 'Vorgang' im 'sprachlichen Prozess' ist das Schreiben der 'Gründungsakt', der 'das Gesicht der Kulturen verändert hat', 'die tiefgreifendste Revolution, die die Menschheit seit der Zähmung des Feuers erlebt hat'.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2015
Endlich liegen Emile Benvenistes "Letzte Vorlesungen" aus den Jahren 1968 und 1969 in einer gelungenen deutschen Übersetzung vor, freut sich Rezensent Wolfgang Krischke. Zwar liest der Kritiker in der Hälfte der fünfzehn Vorlesungen des französischen Sprachwissenschaftlers bereits aus anderen Publikationen Benvenistes Bekanntes über Zeichentheorie, dennoch lernt er insbesondere im zweiten Teil Neues über das Verhältnis von Sprache und Schrift und die Übertragung von einem akustischen in ein visuelles Medium. Während Krischke mit Blick auf die gelegentlich nur fragmentarisch überlieferten Vorlesungstexte eine dichte Kommentierung vermisst, freut er sich besonders über Benbvenistes beigefügte Aufzeichnungen zu seinen Feldforschungen bei Indianern in Alaska und Kanada und lobt die Begleittexte, die zwei Drittel des Buches ausmachen: Julia Kristevas Schilderungen über ihren einstigen Professor lesen sich - abgesehen von einigem "heideggernden Geraune" - berührend, schreibt der Kritiker.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…