Mit zahlreichen Abbildungen. Aus dem Italienischen und mit einem Nachwort von Claus Gatterer. Lussus brillante Darstellung des frühen italienischen Faschismus ist ein hochaktuelles Lehrstück für jede Demokratie.2022 jährt sich Mussolinis Marsch auf Rom zum 100. Mal. Er verlief als Farce und sollte dennoch eine verhängnisvolle Auswirkung auf die italienische und europäische Geschichte haben. Emilio Lussu, der seinen literarischen Bericht bereits zehn Jahre danach, 1932, im Pariser Exil schrieb, erlebte diese Schmierenkomödie der Macht als Oppositionspolitiker auf Sardinien. Er zeigt, wie eine improvisierte Aktion durch das Versagen der demokratischen Institutionen, durch Opportunismus und das Stillhalten des Königs Vittorio Emanuele III. schließlich Mussolinis Griff nach der absoluten Macht begünstigte. Die Tragikomödie mutierte endgültig zur Katastrophe. Lussus satirischer Witz und seine Kompetenz als Augenzeuge machen sein Buch in höchstem Maß authentisch und - bei aller Ernsthaftigkeit des Themas - zu einer äußerst unterhaltsamen Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.11.2022
Rezensent Gustav Seibt empfiehlt die Neuauflage des Augenzeugenberichts des antifaschistischen Politikers Emilio Lussu als starke Quelle zur faschistischen Machteroberung in Italien vor 100 Jahren. Lussus die Jahre 1919 bis 1926 umspannende Chronik fehlt allerdings eine kommentierende Einordnung, meint Seibt. Wertvoll findet er den Text wegen der mehrfachen Beobachterposition Lussus als Sarde, Offizier, Sozialist und Abgeordneter, aber auch wegen seiner szenischen Anlage. Mussolinis ganzes "Schmierentheater" und das Versagen der Institutionen werden für den Leser gut sichtbar, so Seibt. Brillant findet er Lussus sozialpsychologische Beobachtungen zu den Abläufen und zu Mussolinis Strategie aus Drohung und Lockung. Einiges daran erinnert den Rezensenten durchaus an Putin.
Rezensent Marc Reichwein weiß, dass die Forschungsliteratur zum "Marsch auf Rom" Legion ist. Das Buch des antifaschistischen Politikers Emilio Lussu von 1932 bietet als Zeitzeugenbericht über Mussolinis Machtergreifung allerdings Unvergleichliches, beteuert der Rezensent. Lussus subjektiver Ansatz überzeugt Reichwein, da er die Bewegung der Schwarzhemden im Stil einer Dokumentation "live in Aktion" zeigt. Lussus Spott über die damaligen Wendehälse im ganzen Land, die plötzlich für Mussolini schwärmten, stellt für Reichwein so manche geschichtsanalytische Arbeit in den Schatten und ist ein "erstklassiges Zeitdokument".
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