Emily Segal

Rückläufiger Merkur

Roman
Cover: Rückläufiger Merkur
Matthes und Seitz, Berlin 2022
ISBN 9783751800808
Gebunden, 221 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Cornelia Röser. Emily, Trendforscherin und Erzählerin dieses Romans, entschlüsselt die kulturellen Codes der Gegenwart, um der Zukunft auf die Spur zu kommen. Dabei erscheint ihre eigene Zukunft im rezessionsgeplagten New York nur wenig verheißungsvoll. Eine Chance, ihre literarischen Ambitionen zu verfolgen und zugleich einer prekären finanziellen Lage zu entkommen, bietet ihr schließlich das Start-up eXe. Die Firma hat sich der ominösen Aufgabe verschrieben, das Internet mit einer neuen Bedeutungsschicht zu überziehen, und heuert Emily als Markenstrategin an. Kurzerhand macht sie ihren Job zur künstlerischen Praxis und sieht sich gleichzeitig mit den Widersprüchen einer bizarren Unternehmenskultur konfrontiert, in der neue Arbeitsformen auf alte Machtverhältnisse treffen. Rückläufiger Merkur ist der Künstlerroman der New Economy, in der Arbeit und Privatleben, kreative Selbstverwirklichung und kommerzieller Erfolg, Kunstprojekt und Marketingkampagne untrennbar miteinander verwoben sind. Emily Segals Roman erkundet das komplizierte Verhältnis zwischen Selbstbehauptung und Mitläufertum im sinnentleerten Kapitalismus des frühen 21. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.10.2022

Emily Segal ist dem Rezensenten Fabian Wolff schon als Trendscout bekannt, eine Aufgabe, die sie ihrer gleichnamigen Protagonistin im Roman "Rückläufiger Merkur" übertragen hat. Die im Sommer 2015 in New York angesiedelte Geschichte macht die relative Sinnlosigkeit dieser Arbeit zum Thema, wartet aber ansonsten nicht mit großer Handlung auf. Dafür lässt Segal aber ein großes Bewusstsein für Themen der Zeit erkennen, was Wolff in Kombination mit der ausgestellten und unterschwellig kritisierten Verwertungsökonomie des Kapitalismus lobt. Die Übersetzung von Cornelia Röser hingegen bewertet er als gescheitert. Lieber im englischen Original lesen, resümiert er.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.08.2022

Rezensent Thomas Hummitzsch zeigt sich beeindruckt und zugleich eine Spur verunsichert von Emily Segals Debütroman "Rückläufiger Merkur". Ist der schwafelige Kreativbranchen-Stil der Erzählerin nun eine Schwäche des Romans, unter der vor allem der Plot leidet? Oder ist dieser Sprech auf eine bewusste Entscheidung zurückzuführen und kann somit nur konsequent genannt werden: Mit leeren Worten die Leere beschreiben, diese Leere, die da heißt: die schillernde Blase der New Economy, "aufgepumpt mit Geld und Eitelkeit", beschreibt Hummitzsch und erklärt, um bei der Metapher zu bleiben: Segal lässt mit ihrem autofiktionalen Roman über eine junge Marketingexpertin "die Luft" aus dieser Blase. Dazu nutzt sie vor allem, quasi allegorisch, die populären Scheinwissenschaften wie etwa die Astrologie, was dem Rezensenten absolut passend erscheint. Dass die Autorin und Ex-Trendanalystin ab und zu in die Klischee-Kiste greift, darüber kann Hummitzsch hinwegsehen, angesichts der bestechenden eigenen Logik dieses entlarvenden Romans.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.08.2022

Rezensentin Caroline Jebens wird erst ganz am Schluss von Emily Segals im amerikanischen Original bereits 2020 erschienenen Roman über eine New Yorker Start-up-Mitarbeiterin etwas übel vom vielen Zeitgeist im Text. Eine Leistung der Autorin erkennt sie eben darin, dass es der Autorin gelingt, streckenweise so beiläufig über Marken, Outfits, Drogen, sexuelle Orientierung und Sinnbilder der Gegenwart zu schreiben, dass es für die Leserin weitgehend erträglich ist. Ein weiteres Verdienst besteht für Jebens darin, das Wirken von Misogynie und Manipulation im New Yorker Alltag subtil verständlich zu machen.

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