1914 erschien in einem kleinen Berliner Verlag sehr erfolgreich und in mehreren Auflagen das fiktive Tagebuch eines "Tauentzien-Girls" von Emma Nuss (Emma Mahner-Mons). Litta, ein vierzehnjähriger "Backfisch" aus gutem Hause, verkörpert einen neuen, souveränen und selbstbewussten Mädchentyp: sie schwelgt in der verführerischen Eleganz des neuen Halbwelt-Boulevards und reiht sich ein in das bunte Treiben der eleganten Berlinerinnen, Dandys und little girls. Und während ihre Mutter ahnungslos Zuhause sitzt, amüsiert sie sich, hat erotische Abenteuer, lässt sich von unbekannten Herren ins Caféhaus einladen, steht zweifelhaften Künstlern Modell oder geht ins Kino. All das vertraut sie schonungslos offen und sehr humorvoll ihrem Tagebuch an. Moralische Entrüstung und voyeuristischer Genuss der hier vorgeführten allgemeinen Unmoral dürften sich bei der Lektüre damals die Waage gehalten haben. Heute ist sie vor allem ein großer Spaß.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2019
"Aus dem Tagebuch eines Tauentzien-Girls" von Emma Nuss ist ein authentisches Buch von 1914, versichert der Verlag Walde+Graf, aber mit der Authentizität ist es so eine Sache, weiß Rezensentin Julia Bähr: geschrieben wurde es nämlich nicht von einem Berliner Teenager, sondern unter Pseudonym von der aus der Südwestpfalz stammenden Mittdreißigerin Emma Mahner-Mohns. Mit dem Abstand von über hundert Jahren liest es sich dennoch als aufregendes wie aufschlussreiches Zeitdokument, insbesondere wenn man es in Bezug zu dem dreißig Jahre älteren Roman "Der Trotzkopf" von Emmy von Rhoden setzt, meint die Rezensentin. Mit dessen erzkonservativem Weltbild hat das Tauentzien-Girl Litta nichts am Hut, ihr geht es um amouröse Abenteuer, deren Regeln und Grenzen sie gleichwohl selbstbestimmt kontrolliert, fasst Bähr zusammen, für die der beschwingte und unverblümte Ton des Tagebuches eine einzige "große Freude" ist.
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