Aus dem Französischen von Helke Voß-Becher. Mit einem Nachwort von Katharina Weiss. Ein Schriftsteller schreibt einen Brief an einen "Cher Monsieur", in dem er ihm von einer zutiefst verstörenden Beobachtung berichtet. Er hat gesehen, wie seine Freundin Henriette in einem Taxi einen Mann geküsst hat. Hin- und hergerissen zwischen dem Glauben an die Liebe Henriettes, die überzeugend ihre Unschuld beteuert, und der Gewissheit, dass das, was er gesehen hat, die Wahrheit ist, wird die Szene im Taxi zu einer Idée fixe, die die Grundfesten seiner Existenz erschüttert. Es kann nur eine Wahrheit geben, aber welche? Die Entscheidung über diese Frage ist dem Leser des Briefes überlassen. Das raffinierte Vexierspiel, das der Autor Emmanuel Bove mit dem Leser treibt, ist zugleich eine Reflexion über Wahrheit und Wahrhaftigkeit der Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2017
Rezensent Tilman Spreckelsen erwartet eine weitere Renaissance von Emmanuel Bove. Wie der 1945 verstorbene Autor psychologisch meisterhaft, so Spreckelsen, die Grausamkeit zwischen zwei einander nahen Menschen vermisst und den Leser dabei im Unklaren lässt, wem der beiden zu trauen sei oder ob überhaupt jemandem, das scheint Spreckelsen auch neunzig Jahre nach der Erstveröffentlichung des Textes noch immer höchst lesenswert. Auch des eigenen sachlichen Tons wegen, meint der Rezensent.
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