Enis Maci

Eiscafé Europa

Essays
Cover: Eiscafé Europa
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518127261
Kartoniert, 240 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Wie könnte Widerstand heute aussehen? Auf der Suche nach einer Antwort zieht Enis Maci eine Linie von Jeanne D'Arc über Sophie Scholl zu den albanischen Schwurjungfrauen. Sie entlarvt die medialen Strategien der Identitären als Travestie, befragt Muttersprache und Herkunft, reist nach Walhalla und blickt dort auf die Büste der in Auschwitz ermordeten Nonne Edith Stein. Sie verweilt in den sozialen Randzonen und verwebt die losen Zipfel erzählens-notwendiger Dinge zu einem dichten Panorama europäischer Gegenwart. Das Außerordentliche überkreuzt sich in ihren Essays mit dem Alltäglichen, das Private mit dem Politischen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.12.2018

Rezensentin Miryam Schellbach haben die Essays der Dramatikerin und Dramaturgin Enis Maci sehr beeindruckt. Die Kritikerin liest die "nachdenklichen, literarisch-autobiografischen" Texte als detailverliebte Sezierungen gesellschaftlicher Komplexe. Die Autorin nehme sich jeweils nur ein "Körnchen an gesellschaftlichem Sprengstoff" - wie beispielsweise den Ersatz der Wörterbücher durch Wikipedia - vor, um es dann so gründlich zu untersuchen, dass daran die Vielschichtigkeit gesellschaftlicher Phänomene überhaupt deutlich wird, so die Rezensentin. Mit viel Witz und ohne zu einfache Antworten hat Macis die Kritikerin dabei auf die Spur des Wesens sozialer Krisenmomente gebracht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2018

Rezensentin Marie Schmidt lernt "Post-Internet-Literatur" kennen mit diesen Essays von Enis Macis. Wie ein "wildes Riff" erscheint ihr der Band der 1993 geborenen Autorin, die Wikipedia-Artikeldiskussionen, Sprache und Mythen ihrer albanischen Familie, die eigene Gelsenkirchener-Jugend und Erinnerungen an ihren versehentlich gelöschten iCloud-Account mixt, dabei laut Schmidt mehr an den Themen entlang schwimmt als diese inhaltlich zu behandeln und den modernen vernetzen Menschen zu ganz neuen Assoziationsleistungen anregt. Dass sich Maci dabei gelegentlich in Widersprüche verstrickt, etwa wenn sie die Faszination der Medien für Strategien und Frauen der Identitären kritisiert, zugleich aber deren Postings selbst im Text reproduziert, stört die Kritikerin kaum: Viel zu beeindruckt ist sie von der "poetischen Liberalität" der jungen Autorin.

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