Herausgegeben von Johannes Hürter und Jürgen Zarusky. Geschichte muss erzählt werden. Wo dies nicht geschieht, wird sie zur stummen Last für den Menschen, und er verliert seine Orientierung in der Zeit. Das gilt ganz besonders für die Zeitgeschichte, deren Einflüsse die Gegenwart unmittelbar prägen. Seit 50 Jahren trägt die Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte zum großen "Epos Zeitgeschichte" bei, analytisch, deskriptiv, dokumentarisch. Im Jubiläumsband Nr. 100 nähern sich Historiker den großen Erzählungen von Schriftstellern. Zehn bemerkenswerte Romane werden als Spiegel ihrer Zeit gelesen. Der Brückenschlag zwischen Geschichtsschreibung und fiktionaler Literatur zeigt, wie die beiden unterschiedlichen Genres bei der Deutung der jüngsten Vergangenheit oft Hand in Hand gehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.06.2010
Die Idee der Zeitschrift zur Zeitgeschichte, zehn Historiker je einen Roman auf seinen zeitgeschichtlichen Gehalt untersuchen zu lassen, beklatscht Willi Winkler schon mal als "blendenden" Einfall. In seine Kritik des Hefts mischt sich dann aber doch der spöttische Ton des "Philologen" gegenüber den zu lesenden literarischen Urteilen, und er vermeint hier einen gewissen Neid der Historiker auf das "Kunstrichtertum der Germanisten" zu bemerken. Insgesamt aber gesteht er ohne weiteres zu, dass sich der Band auf der Höhe der zeithistorischen Forschung bewegt und gewinnbringende Lektüre darstellt. Warum Horst Möller sich in seinem Beitrag zu Hans Falladas "Bauern, Bonzen und Bomben" allerdings vor allem an die Biografie des Autors hält, statt sich intensiv mit den politischen Hintergründen der Weimarer Republik zu befassen, die den Kontext dieses Romans darstellen, ist für Winkler unverständlich. Belustigung hat Udo Wengsts Aufsatz zu Wolfgang Koeppens Roman "Das Treibhaus" ausgelöst, wenn dieser dem Autor wie den Schriftstellern seiner Zeit insgesamt eine "nörgelnde Kritik" an den westdeutschen Verhältnissen vorwirft.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…