Eric Vuillard

Traurigkeit der Erde

Eine Geschichte von Buffalo Bill Cody
Cover: Traurigkeit der Erde
Matthes und Seitz, Berlin 2017
ISBN 9783957573629
Gebunden, 136 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Nicola Denis. Indianer zu Hunderten, Horden von Bisons und ihre Jäger, Hitze und Spannung, Staub und das unentwegte Knallen von Schüssen - Éric Vuillards Erzählung strotzt vor Abenteuer. Doch die Spur verläuft im Kreis, die Männer bewegen sich vor einer riesigen Leinwand, die Rufe der Menge überdecken alle Geräusche: Billy Cody alias Buffalo Bill tobt im Zentrum eines Spektakels, das als Wildwest-Show über zwei Jahrzehnte in der ganzen Welt bekannt war und eine Geschichte von Heldentum und gerechtem Zorn konstruierte. Doch die Schlachten der Sieger, der heroische Gründungsmythos eines vermeintlich freien Landes, waren das Massaker an Amerikas Ureinwohnern, deren Überlebende nun gezwungen sind, im Kostüm des Besiegten zu posieren und ihre Erniedrigung bei jeder Darbietung abermals zu durchleben. Éric Vuillard konfrontiert in dieser  historischen Rhapsodie den amerikanischen Mythos der Eroberung des Westens mit den vergessenen Gesichtern ihrer Opfer und entlarvt das erste große Massenvergnügen der Neuzeit als lügenhafte Umerzählung der brutalen Ausrottung eines Volkes in ein gigantisches, von den Siegern zu Markte getragenes Spektakel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2017

Rezensent Niklas Bender lernt Buffalo Bill als Begründer des "modernen Massenspektakels" in dieser Erzählung von Eric Vuillard kennen. Schwungvoll erzählt ihm der Autor in seiner dokufiktional angelegten Geschichte nicht nur, wie sich die Zuschauer an diesen ersten "Reality Shows" berauschten und wie das ethnografische Interesse, etwa von Friedrich Nietzsche oder Guy Debord, hier seinen Ursprung fand, sondern Vuillard unterlegt seine scharfe Kritik auch durch zeitgenössische Fotografien, informiert der Kritiker. Vor allem aber bewundert der Rezensent die "ätzende" Sprache und die "grellen" Worte, mit denen der Autor das Massaker von "Wounded Knee" analysiert und darlegt, wie die brutale Episode nachträglich zur "persilweißen Schulbuchfassung" reingewaschen wurde. Und dennoch lassen ihn Vuillards Schilderungen des alternden und verarmten Buffalo Bill nicht ohne Rührung zurück.

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