2 mp3-CD mit 829 Minuten Laufzeit. Gelesen von Jürgen Hentsch. "Wir haben viele Gemeinsamkeiten", sagte Erich Loest einmal über Karl May. Tatsächlich wurden beide Schriftsteller in Sachsen geboren und saßen sieben Jahre lang im Gefängnis: May wegen kleinerer Diebstähle und Betrügereien, Loest als politischer Häftling der DDR. So vermag Loest in seinem biografischen Roman über Karl May authentisch aufzuzeigen, wie dessen Traumwelt hinter Gefängnismauern entstand. Mit großem Einfühlungsvermögen zeichnet er ein spannendes Porträt des Erfinders von Winnetou und Old Shatterhand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2022
Erich Loests Faszination mit Karl May beruht auf der Nähe zueinander, meint Wolfgang Schneider: Beide kommen aus Sachsen, beide sind dem DDR-Regime ein Dorn im Auge. Für den Rezensenten ist dadurch klar, warum der Autor Karl May als Protagonisten einer Geschichte rund ums Fabulieren, ums Sich-Verlieren in der Literatur ausgewählt hat. Im Hörbuch schafft es die facettenreiche Stimme Jürgen Hentschs, der Montage aus Loest-Erzählung und May-Zitaten, der Handlung um Schriftsteller- versus Eheleben die nötige Tiefe und Atmosphäre zu verleihen, freut sich der Rezensent. Auch Schattenseiten würden nicht ausgespart. Zu beklagen hat Schneider bei der Neuauflage der schon 1992 entstandenen Aufnahme nur den Rückgang derer, die sich mit Karl May auseinandersetzen: "Cancel-Korrektheit" gegenüber Winnetou und Co. ist ihm ein Graus.
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