Arno Schmidt

Nachrichten von Büchern und Menschen

12 CDs
Cover: Nachrichten von Büchern und Menschen
Litraton, Georgsmarienhütte 2003
ISBN 9783935840026
CD, 49,50 EUR

Klappentext

Elf originale Radio-Essays, 748 Minuten. SWR 1955-1961. Die in Dialogform verfassten Texte sind eigentlich Hörspiele und Auftragsarbeiten für den Rundfunk: Alfred Andersch, ein großer Schmidt-Verehrer, war 1955 Leiter der Redaktion Radio-Essay beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart geworden und bat Schmidt sofort um seine Mitarbeit. Schmidt begriff dieses Angebot zuerst als hochwillkommene Einnahmequelle, dann aber mehr und mehr als Erprobung der von ihm geliebten erdachten Gespräche. Sein erstes Hörspiel behandelte den Hamburger Barockdichter Brockes, die Regie führte Martin Walser. Andersch war vom Text begeistert und verabredete mit Schmidt, alle halbe Jahre einen neuen Essay you ihm zu produzieren. Die Themen schlug Schmidt vor. cpo veröffentlicht jetzt aus dem Archiv des SWR 11 originale Hörspiele aus den Jahren 1955-1961 über Brockes, Klopstock, Moritz, Wieland, Meyern, Karl May, Dickens, die Geschwister Bronte, Oppermann, Tieck und Joyce, in letzterem wirkt Schmidt sogar selbst als Sprecher mit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2004

In Buchform lagen Schmidts Schriftstellerporträts, die dieser ursprünglich für den Süddeutschen Rundfunk verfasst hat, längst vor, nun kann man sie auch im Originalton hören, freut sich der "czz" zeichnende Rezensent. Entstanden sind sie Mitte der 50er Jahre, weiß "czz", behandelt werden Autoren zwischen Frühaufklärung (Brockes) und Moderne (Joyce), auch Karl May habe seinen Auftritt oder H.A. Oppermann, an den sich heute niemand mehr erinnern könne. Mit dabei sind noch die Schwestern Bronte, aber auch Moritz, Wieland, Tieck, die, so der Rezensent, in Schmidts Debattierclub wie moderne Intellektuelle agieren. Allgemeiner Zug der Schriftstellerporträts sei überhaupt der platonische Dialog, der sich in einer (fiktiven) Disputation zwischen einem reifen Literaturkenner und seinem eifrigen Adepten entspinnt. Das ganze mit analytischem Witz, ätzender Schärfe und radidramaturgischem Pfiff, schwärmt "czz", kurz: ein unbedingtes Hörvergnügen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.05.2004

Ha! Arno Schmidt! Willi Winklers Besprechung der "Elf originalen Radio-Essays" gleicht einem einzigen spitzbübisch-freudigen Ausruf - es war wohl so recht nach des Rezensenten Geschmack, was der schelmische "Hermetiker" Schmidt mit seiner gutbezahlten Radiozeit anfing, zur Freude seiner kleinen, aber hochkarätigen Fan-Gemeinde. Nämlich die Großen klein machen ("Weniger Goethe!", "Benn schwatzt!"), und die Kleinen groß. "Nur mindere und vor allem minder geachtete Autoren ließ er gelten", schreibt Winkler und findet das "anstrengend" und großartig: "Durchwachsenes Zeug insgesamt, aber jeder einzelne Text grob gerechnet drei Empire State Buildings über der literaturkritischen Jahreslese 1994-2004." Winkler schwärmt von der Obskurität des Schmidt'schen Kanons, von den "aufwändig instrumentierten Selbstgesprächen", mit denen er die Hörer verblüffte. Und zieht schließlich das Fazit: "Die Adenauer-Ära mochte schlimmste kulturelle Repression sein und ästhetisch so selbstzufrieden wie die Gruppe 47, es gab immerhin die Widerstandszelle Arno Schmidt."

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