Wilhelm Hamburger (1917-2011) war im Zweiten Weltkrieg Agent der deutschen Abwehr, pro-österreichischer Propagandist für die Briten und nach dem Krieg erfolgreich in internationalen Geschäften tätig.Er stammte aus einer einflussreichen Familie: Sein Vater Fritz Hamburger (1865-1952) war erfolgreicher Industrieller und eng mit Thronfolger Franz Ferdinand bekannt, wurde später jedoch wegen seiner Verwicklung in den NS-Putsch vom Juli 1934 zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt (und 1936 begnadigt). Der junge Wilhelm musste deswegen das noble Theresianum verlassen und studierte ab 1936 in Berlin. Mit seiner Dissertation über die Neuordnung des arabischen Raumes (1940) empfahl er sich für einen Einsatz im Geheimdienst in Istanbul. Dort erkannte er früh die negativen Seiten des NS-Regimes. Im Februar 1944 entkam er knapp seiner gewaltsamen Verbringung nach Deutschland und flüchtete zu den Alliierten. In Kairo verfasste und las er im Sommer 1944 Radiosendungen, die sich an Österreicher in der Wehrmacht richteten. Die 45 erhaltenen Texte, die im Anhang dieses Bandes erstmals im Volltext abgedruckt und kommentiert sind, stellen einzigartige Zeitdokumente über die Vorstellungen und Ziele des österreichischen Widerstands dar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2020
Stephan Löwenstein ist atemlos angesichts des von Erwin A. Schmidl nacherzählten Lebens und Wirkens des Nazi-Agenten und späteren Oppositionellen Wilhelm Hamburger. Hollywoodesk erscheint dem Rezensenten Hamburgers wendungsreicher Lebensweg, sein Wandel vom NS-Getreuen zum Regimegegner, der schließlich aus Kairo für österreichische Bürger gegen Hitler agitierte. Der Band dokumentiert laut Löwenstein diese Rundfunksendungen und wartet auch mit so mancher Affäre des polyglotten Hommes à femmes auf.
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