Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2003
Tobias Burghardt rekapituliert kurz die Geschichte der Sephardim: von der Ansiedlung auf der iberischen Halbinsel ab dem 10. Jahrhundert vor Christus, über die kulturelle und zivilisatorische Hochzeit der "Convivencia", als Juden, Christen und Mauren mehrere Jahrhunderte friedlich zusammenlebten, bis hin zur Vertreibung der Juden Ende des 15. Jahrhunderts. Die Sephardim, weiß Burghardt, zerstreuten sich entlang des Mittelmeers und über ganz Europa, erhielten aber durch Sprache und Überlieferungen ihre Identität in der Fremde. Eugen Heinen ist Spezialist auf dem Gebiet und wirft, nachdem er im ersten Band nach jüdischen Hinterlassenschaften in Spanien und Portugal gesucht hat, nunmehr einen umfangreichen und vertiefenden Blick "auf den kulturellen und geistigen Beitrag der iberischen Juden bis zur Gegenwart". Was brachten sie ein in die Zeit der philosophischen und wissenschaftlichen Blüte vom 8. bis zum 15. Jahrhundert? Und welche Texte und Überlieferungen waren es, die später in der Diaspora die gemeinsame Identität sicherten? Heinen, so der Rezensent, beschließe seine Arbeit mit einem Kapitel voller Kurzbiografien, die gleichsam für das kulturelle Erbe der Sephardim stehen: Michel de Montaigne, Rosa Luxemburg, Primo Levi, Elias Canetti und andere mehr.
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