In diesem Lesebuch sind die Stimmen von Menschen versammelt, die als Kinder oder Jugendliche in den 1930er Jahren vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Großbritannien fliehen konnten. Die meisten von ihnen kamen in den Jahren 1938/39 mit dem "Kindertransport" aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei. Die Gesprächsausschnitte beruhen auf Interviews, die Eva-Maria Thüne im Jahr 2017 in Großbritannien mit ihnen zumeist auf Deutsch geführt hat. Die Fragen nach dem Sprachwechsel und den Erfahrungen in der neuen Kultur bildeten den Ausgangspunkt. Doch die Antworten gingen weit darüber hinaus: Es sind auch Erinnerungen an die Eltern, Beschreibungen der dramatischen Reise und Ankunft sowie Lebensberichte unter den Vorzeichen von Trauma und Rettung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2019
Ohne ein Wort der Wertung referiert der Neuzeithistoriker Ludger Heid das Lesebuch "Gerettet", in dem die Linguistin Eva-Maria Thüne ihre Interviews mit ehemaligen Flüchtlingskindern des sogenannten Kindertransports aufgeschrieben hat. In Folge der Pogromnacht vom November 1938 waren rund 10.000 jüdische Kinder zwischen drei und 16 Jahren nach England verschifft worden, wo sie in Gastfamilien unterschiedliche Erfahrungen machten, so der Rezensent. Die Maßnahme war als "Ad-Hoc-Lösung für ein vermeintlich vorübergehendes Problem" gedacht gewesen, doch mit Kriegsbeginn und dem Fortschreiten der Judenvernichtung änderte sich ihre Bedeutung grundlegend, berichtet Heid. Thüne interessiert sich für den Spracherwerb der minderjährigen Migranten und darüber, welche Rolle die deutsche Sprache in ihrem weiteren Leben gespielt hat, erklärt der Rezensent, den das Buch offenbar interessiert hat, auch wenn nie so recht klar wird, was er jetzt von Thüne gelernt hat und was er schon vorher wusste.
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