Die politiktheoretische Studie demonstriert anhand des Falls des British Empire, wie imperiale Eliten ihr Tun erfassen und rechtfertigen, welche Rolle historische Beispiele in diesem Prozess spielen und welche Entwürfe imperialer Herrschaft um Deutungshoheit konkurrieren. Die Analyse des Elitendiskurses im British Empire erhellt jene Modi, in denen zentrale Akteure das Weltreich legitimieren und im eigenen Selbstverständnis konzipieren: Niedergangserfahrungen, infrastrukturelle Errungenschaften, aber auch die Frage globaler Vorherrschaft werden zu Elementen einer technokratischhierarchischen Imperiumsvision, die von alten Mustern liberaler Zivilisierung und Missionierung nachdrücklich Abschied nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2016
Rezensent Sönke Neitzel hat Eva Marlene Hausteiners Studie "Greater than Rome" mit Gewinn gelesen. Neitzel liest darin nach, wie die Briten zwischen 1870 und 1914 nach einer Argumentation für die Einmaligkeit und Größe des eigenen Reiches suchten und das antike Rom als Referenzpunkt, etwa mit Hinblick auf Stabilität und Langlebigkeit, wählten. Darüber hinaus erfährt Neitzel in Hausteiners aufschlussreicher Arbeit, dass auch das immer stärker auf Gewalt beruhende Herrschaftsmodell Londons mit der Politik in den römischen Provinzen gerechtfertigt wurde. Nicht zuletzt lobt der Rezensent dieses Buch als kluge "Morphologie der Imperiumslegitimation".
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