Sechzig Jahre lang blieb der Vater ein Unbekannter. Auf der Suche nach seiner Lebens geschichte ist die Tochter und Autorin dieses Buches auf die Biografie eines Journalisten im Dritten Reich gestoßen, eines Schreibtischtäters und Mitschuldigen - und eines Vaters, dessen Bild fremd bleibt, bruchstückhaft und widersprüchlich. Anhand von gründlichen Archivrecherchen und aus großer kritischer Distanz liefert Eva Züchner nicht nur das eindringliche Porträt ihres Vaters, eines Journalisten, der zum Handlanger der Mächtigen wurde, sondern auch eine bisher unbekannte Innenansicht der Mediengeschichte im Nationalsozialismus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2010
Eva Züchners Vater-Biografie "Der Verschwundene Journalist" ähnelt in den Augen von Cord Aschenbrenner - zumindest erzählerisch - sehr dem 2004 erschienenen Buch "Meines Vaters Land" von Wibke Bruhns, was er aber nicht nur als Kompliment verstanden wissen will, denn nicht immer halte Züchner dem Vergleich stand. Die Geschichten sind dabei ganz unterschiedlich: Bei Züchner geht es um ihren Vater Gerhart Weise, der als junger Journalist für Joseph Goebbels schrieb, während Bruns das Leben ihres 1944 wegen Hochverrats hingerichteten Vaters erforscht. Züchners Geschichte sei zwar durchaus interessant; doch wenn sie sich schon eine andere Biografie zum Vorbild nehme (was ja durchaus erlaubt sei), dann müsse man die beiden sich auch messen lassen. Und Bruns ist einfach die bessere Geschichtenerzählerin, findet der Rezensent und bedauert gleichzeitig, dass die persönlichen Mutmaßungen Züchners dem Text einen arg "tagebuchartigen, mädchenhaften Einschlag" geben.
Eva Züchners Buch über den Journalisten Gerhart Weise hat Christian Semler sichtlich beeindruckt. Er hebt die Ehrlichkeit und Rückhaltlosigkeit hervor, mit der die Autorin, Tochter von Weise, die Biografie ihres Vaters erforscht hat, der in Goebbels' Propagandaministerium "Schriftleiter" für Zeitungen und Zensor in dessen Ministerium war. Dank gründlicher Recherchen liefert das Buch in Semlers Augen auch eine "dichte Schilderung" der Verhältnisse in den Redaktionen, in denen Weise tätig war, sowie im Apparat des Propagandaministerium, wo er im Büro Hans Schwarz van Berk an Desinformationskampagnen arbeitete.
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