Mit 30 Abbildungen und einem Vorwort von Hans Mommsen. Ingrid Buchloh zeichnet ein neues und facettenreiches Bild eines Menschen und bedeutenden Künstlers, der immer noch vielen als "williger Diener der Nazis" gilt: Ein besessener Künstler zwischen Anpassung und Widerstand. Goebbels hielt Harlan für den Fähigsten aller deutschen Regisseure und hatte erkannt, dass sich seine Filme aufgrund ihrer Emotionalität für eine subtile Vermittlung von NS-Botschaften nutzen ließen. Präzise Filmanalysen sowie die kritische Auswertung wichtiger Quellen und unbekannter Dokumente belegen, wie Goebbels die Entstehung der Filme bis hin zu kleinsten filmischen Details kontrollierte und solange korrigierend eingriff, bis sie seinen propagandistischen Absichten dienlich waren. Harlans Versuche, durch Verweigerung, Taktieren oder künstlerische Gestaltung Goebbels? Befehle zu unterlaufen, misslangen. Doch stand er zu seinen jüdischen Freunden bis zum Schluss und setzte sich im Beruf für Verfolgte des NS-Regimes ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2010
Um Ausgewogenheit im Urteil bemüht, wertet Rezensent Rainer Erd immerhin Ingrid Buchloh für ihre präzise Betrachtung von Leben und Werk des Filmregisseurs Veit Harlan, der unter anderem den Nazipropagandafilm "Jud Süß" zu verantworten hatte. Gleichzeitig kann er aber seinen großen "Ärger" über die Versuche der Autorin, Harlan zu rehabilitieren oder gar zum "Widerstandskämpfer" zu stilisieren, nicht verbergen. Intention der Autorin ist, das seit der Nachkriegszeit vorherrschende Bild von Harlan als Inkarnation des "diabolischen Filmemachers" zu entkräften, erkennt der Rezensent. So versuche sie beispielsweise im Kapitel, das sich mit der Entstehung des antisemitischen Hetzfilms "Jud Süß" beschäftigt, allen Ernstes, Harlan als Opfer zu zeichnen, dem gar nichts anderes übrig blieb, als sich Goebbels Vorgaben zu unterwerfen, und ihn damit von der "politischen Verantwortung freizusprechen".
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