Aus dem Französischen von Hainer Kober. In seinem neuen Buch, für das er Ende 2008 mit dem Literaturpreis für Menschenrechte ausgezeichnet wurde, diagnostiziert Jean Ziegler wachsenden Hass der Armen und Entrechteten auf den Westen. Dessen Nährboden sind gegenseitiges Unverständnis sowie das Bewusstsein jahrhundertelanger Verachtung und Unterdrückung - mit weit reichenden Folgen für globale Friedenspolitik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.10.2009
Auf Weltretter-Pathos erkennt Reinhild Khan bei UN-Berater Jean Ziegler, schiebt aber gleich hinterher, dass hinter dem Eindruck der Plakativität viel Detailarbeit steckt. Zum Beleg reißt Khan bewundernd die Bandbreite von Zieglers politischen Erfahrungen an. Zieglers neues Buch findet er typisch: Wieder sind es die Institutionen des Kapitalismus um WTO, IWF und Weltbank, die Ziegler für ihre ausbeuterische Haltung gegenüber den armen Ländern angreift. Diese nach Zieglers Worten Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln liefert für Khan unzählige Gründe, um auf den Westen mit Hass zu blicken, und Khan selbst stellt sich mit fortsetzender Lektüre die Frage des "wie lange noch". Überzeugt ist er von Zieglers Ansichten allemal, so dass er sich am Ende nur sorgt, ob dessen Warnung an den Westen auch gehört wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2009
Da ist Sebastian Schoepp aber erleichtert: Die Schwarzweißmalerei des Schweizer Soziologen Jean Ziegler zeigt Risse. Dass Ziegler etwa seine hagiografische Darstellung des Evo Morales als Hoffnungsträger einer vom Neokolonialismus gebeutelten Welt selbst konterkariert, stimmt Schoepp froh. Ansonsten beschert ihm die Lektüre den bekannten Ziegler-Sound, zornig, knallig, polemisch bis zur Ungenauigkeit, für alle, die schon immer wussten, dass ein wirtschaftlicher Weltkrieg tobt, dass der Westen den Süden ausbeutet usw., angereichert mit Zieglers Feldforschungen aus Haiti und Nigeria. Und leider, so der Rezensent, hat der Autor gar nicht immer unrecht.
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