Wohlstand und Armut der Nationen
Warum die einen reich und die anderen arm sind

Siedler Verlag, Berlin 1999
ISBN
9783886805259
gebunden, 704 Seiten, 34,77
EUR
Klappentext
Kaum eine Frage unserer Zeit ist umstrittener und stärker mit Ideologie befrachtet als die, warum einige Nationen ein hohes Maß an wirtschaftlichem Erfolg erreichen, während andere in quälender Armut steckenbleiben, unfähig, wirtschaftliches Wachstum in Gang zu bringen. Liegt es am Klima? An der Kultur? An der Politik? Oder ist es einfach Glückssache? David S. Landes hat eine Geschichte über die Weltwirtschaft der letzten 600 Jahre geschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.11.1999
Etwas skeptisch bespricht Frank Niess dieses Buch. Einerseits liefere es ein "großartiges Panorama" und erkläre etwa in einer "grandiosen tour d`horizon", warum die industrielle Revolution in England ihren Anfang nahm. Andererseits scheitere es an seinem Anspruch. Eine wirkliche Erklärung, warum manche Länder reich wurden und andere arm blieben, biete es nicht. Außerdem kritisiert Niess, dass Landis Lateinamerika zu wenig in seine Erwägungen einbeziehe. Das gleiche gelte paradoxerweise für die USA und Japan. Allzu einseitig werde insgesamt dem Neoliberalismus gehuldigt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.10.1999
"Ein Glückstreffer". Herfried Münkler zeigt sich beeindruckt von David Landes` neuem Buch. "Selten ist die Lektüre einer wirtschaftshistorischen Darstellung so kurzweilig und anregend, aber doch auch so herausfordernd und gewohnte Sicht infrage stellend wie in diesem Fall", schreibt Münkler. Und er macht in seiner Besprechung ziemlich deutlich, was er damit meint. Immer um Verständlichkeit bemüht, fasst er Landes` Thesen zusammen, die erklären wollen, warum der Westen so reich geworden ist, warum einige Nationen ihren Wohlstand verspielt haben, andere auf absehbare Zeit keinen erreichen werden. Münkler wirbt für Landes` Thesen, wenn sie ihn überzeugen, er kritisiert sie, wenn sie dies nicht tun. Dabei verstößt das Buch Münklers Meinung nach nicht nur in vieler Hinsicht gegen die Political Correctness, sondern auch gegen Grundvorstellung der Gerechtigkeit. Allein nach Lektüre der Rezension ist man schon um einiges klüger geworden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Das Lob bleibt Roderich Reifenrath im Halse stecken. Der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Frontmann des linksliberalen Bürgertums, ringt in seiner Rezension von Landes` Alterswerk offensichtlich mit sich. Einerseits ist er fasziniert von dem unglaublichen Volumen an Wissen, das der Wirtschaftshistoriker präsentiert ("herausragend und bestechend"), anderseits hegt er eine tiefe Skepsis dagegen, wie da ein Wirtschaftsliberaler die Bilanz eines Jahrhundert zieht - oder besser: die Bilanz der Ungleichheit. Doch leider laviert Reifenrath in seiner Besprechung schrecklich herum. Gewisse Passagen, schreibt er, reizen zum Widerspruch. Aber dann widerspricht er nicht. Einerseits ist er fasziniert, andererseits möchte er "tadeln". Dass Landes ein erzählerischen Talent besitzt, mag Reifenrath zwar anerkennen, es ist ihm aber auch irgendwie suspekt: "Damit ist die Bahn frei, um ein breites Publikum zu erreichen", schreibt Reifenrath und man merkt, dass ihm das gar nicht gefällt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
Landes` zentrale Frage, so meint die Rezensentin Franziska Augstein, sei heute politisch nicht mehr korrekt, aber darum beweise der Autor um so mehr Mut. Sie laute: Warum war Europa einige Jahrhunderte dem Rest der Welt so überlegen, dass der seinem Beispiel folgen musste? In ihrer ausführlichen Kritik dekliniert Augstein die Argumente des Harvard-Professors durch: Die geographischen und klimatischen Gegebenheiten betrachte er anders als etwa sein Kollege Jared Diamond nur als "Begleitumstände". Wichtiger sei das Vorhandensein des Markts, der möglich wurde unter anderem durch die christlich-jüdische Kultur des Individuums. Sie habe den entscheidenden technisch-industriellen Fortschritt ermöglicht. Augstein lobt Landes als "Freund krasser Urteile" und sein Buch als "gut geschrieben und ausgezeichnet übersetzt".
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