Neuedition der Romane von F. Scott Fitzgerald: Er war Ernest Hemingways Vorbild. Dashiell Hammett, Raymond Chandler, Gertrude Stein und T.S. Eliot lasen ihn mit Begeisterung. Und heute ist er der Lieblingsautor so unterschiedlicher Persönlichkeiten wie Doris Dörrie, Joey Goebel und Haruki Murakami. Mit Neuübersetzungen von Bettina Abarbanell und Renate Orth-Guttmann und Nachworten von Verena Lueken, Heinrich Detering, Paul Ingendaay und Manfred Papst.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2006
Rezensent Werner von Koppenfels freut sich über diese neue Edition der fünf Romane des großen "Mythografen" der zwanziger Jahre. Trotzdem hat er allerlei zu kritisieren. Vor allem fällt ihm auf, dass die Übersetzungen die stilistische Grazilität der amerikanischen Originale etwas "eindicken", und Fitzgeralds Qualitäten im Mischen von Romantik und Satire nicht immer respektieren würden. Besonders schlecht kommt hier "Der große Gatsby" weg, den Koppenfels "merkwürdig uneinfühlsam" geraten findet. Manchen Ausrutscher kann er gar nur mit dem entsetzten Ausruf "semikriminell" quittieren. Im Wesentlichen aber passieren die neuen Übersetzungen seinen strengen Kritikerblick. Fitzgeralds Fähigkeit, den Talmiglanz des American Dream in die Nähe des Alptraums zu rücken, überzeugen ihn auch im aktualisierten Sprachgewand. Ohnehin seien die deutschen Fassungen von "Diesseits vom Paradies" und "Die Schönen und Verdammten" nur leicht überarbeitet worden. Der Rezensent staunt allerdings über den "ungewohnten" Titel des berühmten nachgelassenen Romanfragments, das nun "Die Liebe des letzten Tycoon. Ein Western" heißt und zu seinem Bedauern ohne die Entwurfskizzen erschienen ist. Als Glanzstück der Edition beschreibt der Rezensent den 1929 geschriebenen, "erstaunlichen" Roman "Tender is the Night". Zum ersten Mal erscheine Fitzgeralds "komplexester Roman" auf Deutsch in seiner "ursprünglichen, raffiniert unchronologischen Erzählform". Auch Heinrich Deterings interpretierendes und einordnendes Nachwort findet von Koppenfels schlichtweg "glänzend". Doch auch die Nachworte der übrigen Bände erhalten das Prädikat "klug". Allerdings fehlen ihm Werkstattnotitzen und biografische Zeugnisse.
Mit großer Geste und noch größerer Sympathie preist Georg Diez F. Scott Fitzgerald. Einen wie ihn, der den Träumen nachgeht, um sie dann zerbrechen zu lassen, wünscht sich Diez für die krisenhafte Gegenwart, denn keiner habe so empfindsam das Scheitern seiner männlichen Figuren auf der ewigen Suche nach Liebe beschrieben. Der Rezensent findet an jedem der hier versammelten fünf Romane etwas Lobenswertes oder Außergewöhnliches, Werk für Werk geht er sie in seiner Besprechung durch. Am allerbesten findet er aber "Zärtlich ist die Nacht", wo sich der Glamour seiner Meinung nach so unnachahmlich mit den Abgründen paart: "Eleganz, das wusste dieser Schriftsteller, ist eben der echte Existenzialismus." Diez verehrt auch die modern entschlackte Sprache Fitzgeralds, die ihm immer das Gefühl des ersten Mals vermittelt und doch gleichzeitig die ganze Erschöpfung der Zivilisation in sich trägt.
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