Fernando Aramburu

Fabula

Roman
Cover: Fabula
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498003968
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen. Asier und Joseba sind zwanzig, als sie nach Frankreich verschickt werden, um dort ihre Ausbildung im bewaffneten Kampf zu erhalten. In ihrer baskischen Heimat haben sie sich als politische Aktivisten schon einen gewissen Ruf verschafft. Unterschlupf finden sie auf einem Hühnerhof in der Umgebung von Albi, im Süden des Landes.Doch sie warten vergeblich auf ihr Training. Denn kurz nach ihrem Untertauchen verkündet ETA das Ende der Gewalt. Statt sich umzuorientieren, gründen Asier und Joseba ihre eigene Terrororganisation. Bloß haben sie weder Waffen noch weitere Mitstreiter. Erst die Bekanntschaft mit María Cristina, einer jungen spanischen Kommunistin, die mit ihrem Vater, einem erzreaktionären Obersten der spanischen Armee, gebrochen hat, scheint ihnen den Weg in den bewaffneten Kampf zu öffnen. María Cristina organisiert für Asier und Joseba eine Rückkehr nach Spanien und begleitet die beiden sogar. Sie ist hilfsbereit, tatkräftig, überschwänglich, eine schillernde Figur - und zugleich bereit, für ihre eigenen Ziele jegliche Mittel in Kauf zu nehmen …

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.05.2026

Rezensent Tobias Lehmkuhl kann Fernando Aramburus neuem Roman "Fabula" viel abgewinnen: grandiose Dialoge zum Beispiel; ein eigenwilliger, angenehm salopper und dennoch treffsicherer Sound; und zwei fragwürdige und dennoch sympathische Anti-Helden nach dem Vorbild Don Quichotes und Sancho Panzas, die gleich ihren literarischen Vorfahren in die Welt ziehen, um hehre Ideale zu verfolgen - in diesem Fall den Kampf für ein unabhängiges Baskenland - dabei aber immer wieder aus Ungeschicktheit, Naivität und Fanatismus in Situationen geraten, in denen sie mehr Schaden anrichten, als abwenden. Doch so amüsant Aramburu seine Geschichte gestaltet, handelt es sich doch nicht um eine reine Komödie, betont Lehmkuhl. In "Langsame Jahre" und "Patria" hat sich der spanische Autor bereits am Motiv der abwesenden Väter abgearbeitet, die für ein freies Baskenland in den Kampf ziehen, lesen wir. In "Fabula" wechselt er nun die Perspektive. Statt aus der Perspektive der Zurückgelassenen, erzählt er hier aus der Sicht der Zurücklassenden: zweier junger Männer, die sich 2011 in der französischen Provinz zu ETA-Kämpfern ausbilden lassen wollen und nicht mitbekommen, dass die ETA längst die Waffen gestreckt hat, während sie zwischen Hühnerkot und Unkraut mit eingebildeten Waffen spielen. Eine soziologisch interessierte und interessante, "zeitlose Tragikomödie" darüber, wie aus jugendlicher Verblendung und erhabenen Zielen schnell "blutiger Ernst" werden kann, so das Resümee des begeisterten Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.04.2026

Rezensentin Karin Janker liest Fernando Aramburus Satire auf den baskischen Freiheitskampf mit gemischten Gefühlen. Einerseits erkennt sie darin einen treffenden Kommentar zur politischen Gegenwart. Andererseits geht ihr Aramburus Empathielosigkeit mit seinen Figuren, Tätern wie Opfern, manchmal zu weit. Dass der Autor zwei hoffnungslos gestrige sehr traurige Gestalten zu Möchtegern-Widerständlern stilisiert, die das Ende der Eta verschlafen haben, findet sie noch originell und erkennt Parallelen zu Don Quichote. Doch den Figuren im Text fehlen die Melancholie und die psychologische Tiefe des Vorbilds, meint sie. Nur manchmal scheint laut Janker in der Parabel jene Bitterkeit auf, die das Grauen des Eta-Terrors auslösen sollte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.04.2026

Eine durchaus "heitere Angelegenheit" nennt Rezensent Dirk Fuhrig den zweiten Roman von Fernando Aramburu über die ETA und das Baskenland. Heiter, aber im Endeffekt ein wenig "unbefriedigend". Während Aramburu im Vorgängerroman "Patria" ein breites historisches Panorama des Kampfes der ETA um die Unabhängigkeit der Basken zeichnete, nähert er sich seinem Thema nun satirisch, erklärt Fuhrig. Einfallsreich, amüsant, genüsslich spottend erzählt er die Geschichte von Asier und Joseba, zwei junge Männer Anfang 20, die vom revolutionären Eifer und herrlicher Blödheit erfasst, aus ihrer baskischen Heimat in ein französisches Dorf fliehen, da sie sich verfolgt wähnen von den Schergen des gegnerischen Systems, des Klassenfeindes. Davon, dass die ETA 2011 ihren bewaffneten Kampf aufgibt, und auch von dem, was sonst so in der Welt passiert, bekommen sie in ihrem Versteck nichts mit, was dem Rezensenten ein wenig unrealistisch erscheint, aber was solls. Als Wiedergänger des Don Quijote und Sancho Panza funktionieren die beiden gut, findet der Rezensent. Nur leider verläuft sich die Handlung gegen Ende zunehmend, die Erzählung der Rückkehr in die Heimat verliert deutlich an Zug. So bleibt der Rezensent nach dieser scharfsinnigen und humorvollen Lektüre dennoch ein bisschen enttäuscht zurück.

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