Welchen Beitrag leisteten die Elitewissenschaftler der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu der im Nationalsozialismus mit erheblichen Mitteln geförderten Gasschutz- und Kampfstoff-Forschung? Florian Schmaltz rekonstruiert aus institutionsgeschichtlicher Perspektive, welche personellen und organisatorischen Kooperationsbeziehungen zwischen Wissenschaft, Militär und der Industrie existierten und wie diese als Ressourcen füreinander funktionierten. Zugleich geht er detailliert auf die Forschungsdynamik, die angewandten Methoden, Ziele und Resultate an sechs Kaiser-Wilhelm-Instituten ein, die Gasschutz- und Kampfstoff-Forschung betrieben. Der Autor zeigt, wie die antisemitische Vertreibungspolitik gegenüber jüdischen Wissenschaftlern mit dem Ziel einer verschärften Militarisierung der Forschung im Rahmen der NS-Wissenschaftspolitik in Einklang gebracht wurde, und geht der Frage nach, inwiefern die Direktoren aufgrund ihrer exponierten Stellung als Fachspartenleiter des Reichsforschungsrates für den Zugriff auf KZ-Häftlinge als Forscher, Sklavenarbeiter oder Versuchsopfer verbrecherischer Menschenversuche für eine Wissenschaft mitverantwortlich waren, die keine ethischen Grenzen mehr kannte.
Der Rezensent Martin Jander ist von Florian Schmaltzs Forschungsarbeit über Chemiker in der NS-Zeit sehr beeindruckt. Er lobt die Präzision, mit der "ganze Netzwerke der chemischen Kampfstoffforschung im Nationalsozialismus" hier detailorientiert und doch allgemeinverständlich aufbereitet wurden. Eindeutig gehe aus der Arbeit die Enge der Verflechtung von Wissenschaft und Politik hervor. Die Mär von der Gutgläubigkeit oder gar vom Opferstatus der Naturwissenschaften in der Nazizeit sieht der Rezensent endgültig entlarvt.
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