Aus dem Amerikanischen von Roberto de Hollanda. Wie behindert man die Aufklärung eines politisch motivierten Mordes? Francisco Goldman rekonstruiert in seinem wie ein Kriminalroman zu lesenden literarischen Tatsachenbericht einen wahren Fall: die Ermordung von Juan Gerardi, Weihbischof und Gründer des Büros für Menschenrechte der Erzdiözese in Guatemala. Bischof Gerardi bezahlte 1998 die Publikation seines Berichts "Guatemala: Nie wieder" mit dem Leben. Staat und Armee wollten von den Verbrechen, die sie während des Bürgerkriegs begangen hatten, nichts wissen. Der wahre Grund für den Tod des Bischofs wurde verschleiert. Doch entschlossene Richter, Anwälte und Zeugen bewiesen in einem jahrelangen Prozess, dass die Ermordung des Bischofs vom Staat in Auftrag gegeben wurde. Sie leben bis heute unter Polizeischutz.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011
Rezensent Peter Burghardt ist tief beeindruckt: Dieser Bericht des amerikanisch-guatemaltekischen Journalisten Francisco Goldman hat ihm die ganze Misere eines armen, lateinamerikanischen Landes vor Augen geführt, in dem - auf die Einwohnerzahl umgerechnet - vier mal mehr Morde begangen werden als in Mexiko. Goldman untersucht beispielsweise die Ermordung des Weihbischofs Juan Gerardi, der zwei Tage, nachdem er einen Bericht über den Bürgerkrieg und die Verbrechen des Militärs vorgestellt hatte, ermordet wurde. Die Amerikaner haben ihren Teil dazu beigetragen, erfährt Burghardt, denn sie haben nicht nur einige der Mörder in der "US-Folterschool of the Americas" ausgebildet, sondern auch medizinische Versuche in diesem Teil der Welt durchgeführt. So sollen sie in den Vierzigern 696 Guatemalteken zu Versuchszwecken absichtlich mit Syphilis infiziert haben. Der Rezensent kann das Buch als Mischung aus Thriller und Geschichtsschreibung nur empfehlen.
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