"Lebendigkeit" ist der dominante Topos in Kunst und Kunstdiskurs der Frühen Neuzeit. Er ist durch ein Paradox gekennzeichnet, denn die Werke leben nur scheinbar. In der Faszinationskraft beinah lebendiger Werke spiegelt sich aber die Unmöglichkeit, starre Grenzlinien zwischen tot und lebendig zu ziehen. Die Kunst erkundet hier experimentell, was auch die zeitgenössische Naturphilosophie beschäftigt. Das Buch untersucht die Übergänge zwischen lebendig und tot in Fallstudien, etwa zu frühen Grabmälern, anatomischen Darstellungen und skulpturaler Monochromie; zur Koloritgeschichte, Vasaris Teleologie, Michelangelos non-finito und Tizians Porträts. Es geht um Erotik, Geldtheorie, Augenglanz und Stilleben, um Bildgedichte, fürstliche Triumpheinzüge und Licht und Skulptur im Barock.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2021
Benjamin Paul liest das Buch des Kunsthistorikers Frank Fehrenbach als willkommene Ergänzung zu Horst Bredekamps "Theorie des Bildakts". Anders als Bredekamp richtet der Autor laut Paul den Fokus nicht auf die Effekte einer "lebendigen" Kunst, sondern auf deren "ästhetische Reflexion", namentlich in der italienischen Renaissance, bei Vasari oder Michelangelo. Farbigkeit oder Michelangelos Ideal der Unvollendetheit behandelt der Autor in seinen Einzelstudien und zeigt, wie zentral Lebendigkeit als Konzept für die Renaissance war, erläutert der Rezensent.
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