Zu den herausragenden Werken in der Staatlichen Graphischen Sammlung München zählt eine um 1570 entstandene großformatige Zeichnung von El Greco. Das Blatt war bereits im 18. Jahrhundert in der Schausammlung Kurfürst Carl Theodors in Mannheim, wurde aber erst 1929 als eine Arbeit des Künstlers erkannt. Damals stellte sich auch die Herkunft der Zeichnung aus dem Besitz Giorgio Vasaris heraus, der sie als 'Greco' beschriftete, ein Name, unter dem der erst 1567 nach Italien gekommene Domenikos Theotokopoulos aus Kreta später auch in Spanien berühmt werden sollte. Im Münchner Blatt, der bislang einzigen gesicherten Zeichnung aus El Grecos italienischer Zeit, variiert er frei Michelangelos Skulptur des 'Giorno' am Grabmal des Giuliano de Medici bei San Lorenzo in Florenz. Kurt Zeitler stellt in der großzügig bebilderten Publikation die bewegte Geschichte der von der Forschung wenig beachteten Zeichnung dar und weist nach, dass sie im Unterschied zur bisherigen Annahme keine Studie ist, sondern ein raffiniert konzipierter Kommentar El Grecos zum Wettstreit der Künste. Karin Hellwig erörtert die Stellung des Blattes im zeichnerischen oeuvre El Grecos, analysiert seine Position in der spanischen Kunsttheorie und beleuchtet sein Verhältnis zu Tizian und Michelangelo.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2007
Angeregt hat Rezensentin Christine Tauber diese Studie zu einer Zeichnung von El Greco gelesen, auch wenn sie ihren Interpretationen nicht immer folgt. Die beiden Autoren, der Münchner Konservator Kurt Zeitler und die Kunsthistorikerin Karin Hellwig, werfen ihr Augenmerk auf eine Zeichnung, die El Greco zwischen 1570 und 1574, also in seiner Zeit in Rom, angefertigt hat und bei der es sich um die Anverwandlung von Michelangelos Skulptur "Der Tag" handelt". Was die Rezensentin von den beiden Autoren überzeugend dargestellt sieht, ist die These, dass El Greco hier Tizians Kolorit mit Michelangelos Körperbildung verbunden habe und somit eine Art "synthetisches Ausgleichserzeugnis" zwischen den beiden wettstreitenden Schulen geschaffen habe. "Zu forciert" erscheint ihr dagegen der Versuch, den Männerakt als Lichtgestalt zu interpretieren. Interessanter hätte sie da gefunden, das Verhältnis von Skulptur und Malerei genauer unter die Lupe zu nehmen.
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