Kurz vor dem 11. September 2001 begegnen sich Charlotte, die Frau aus dem Osten, und Simon, der Mann aus dem Westen. Mit der Geburt ihres Kindes verlassen sie Berlin und ziehen nach Dresden in Charlottes Elternhaus. Doch die ers- ten Brüche zeigen sich schnell, und obwohl nach Greta noch Karl auf die Welt kommt, ist die Ehe bald nicht mehr zu ret- ten. Das Paar trifft eine folgenreiche Entscheidung: Haus und Familie werden buchstäblich aufgeteilt; sie bewohnt mit dem Sohn die eine Haushälfte, er mit der Tochter die andere. Das Heranwachsen in dieser falschen Normalität hinterlässt seine Spuren. Karl, ein Einzelgänger, stalkt seine Schwester, und als Greta sich politisch engagiert, will er ihr zeigen, was er kann - mit fatalen Konsequenzen. Am Ende muss sich nicht nur die Familie fragen: Wie kann man weitermachen, obwohl alles vorbei ist?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2023
Irina Kilimnik lernt in Franziska Gerstenbergs Roman die Untiefen des Familienlebens kennen. Enttäuschte Glücksversprechen und Desillusionierung beleuchtet die Autorin laut Rezensentin aus den Perspektiven von vier Familienmitgliedern über zwei Jahrzehnte hinweg. Die ganze Tristesse einer Mittelschichtsfamilie und die emotionalen Defizite der Figuren werden für Kilimnik dabei sichtbar. Die psychologische Sicht und die souveränen Zeitsprünge und Themenwechsel gehören für sie zu den Stärken des Textes, die stellenweise Überkonstruktion zu seinen Schwächen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.03.2023
Charlotte und Simon sind ein eigentlich ganz normales Paar, findet Rezensentin Gisa Funck, durch das aber ein Riss geht: Die K-Frage, Kinder und wenn ja, wie viele? Charlotte möchte vier, Simon keins, Charlotte setzt heimlich die Pille ab, die beiden haben letztendlich zwei Kinder, fasst Funck die Familienentwicklung zusammen. Dass dieser Vertrauensbruch über Jahre hinweg dann doch noch zur Trennung führt, hat weitreichende Konsequenzen, denn das Ex-Paar bleibt der Kinder zuliebe im gleichen Haus wohnen, durch das bald, so die Kritikerin, praktisch der für beide Seiten unüberschreitbare eiserne Vorhang geht. Das sei zwar manchmal nahe an der Gefühlsduselei und bisweilen zu gewollt, aber aus psychologischer Perspektive spannend. Auf der Höhe der Zeit ist für Funck auch nicht nur diese Familie, sondern auch die Kinder, deren Engagement für die Klimabewegung sich auch als Appell lesen lässt.
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