In italienischer und deutscher Sprache. Mit einem Nachwort von Franziska Meier. Ausgewählt und übersetzt von Christoph Ferber. Mit seinem berühmten Novellenzyklus Decameron wurde Giovanni Boccaccio zur Gründerfigur des europäischen Erzählens. Von ihm sind auch rund 130 Gedichte überliefert; in repräsentativen Lyriksammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts war Boccaccio vertreten. Danach verschwand der Lyriker Boccaccio hinter dem großen Erzähler und Prosaautor. Jetzt ist er erstmals in einer Übersetzung aus dem Italienischen zu entdecken. Christoph Ferber hat 50 Sonette ausgewählt und übertragen, Franziska Meier erschließt sie in Einzelkommentaren und einem ausführlichen Nachwort im Kontext der epochalen Erneuerung des Dichtens und Denkens im Italien des 14. Jahrhunderts.
Als "großen Dichter der Liebe" lernt Rezensent Nico Bleutge Giovanni Boccaccio in diesem reizenden Sammelband kennen. Höchste Zeit, neben den berühmten Erzählungen auch dessen Sonette zu entdecken, findet Bleutge, bieten sie doch alles auf, was es braucht, um Poesie "zum Klingen zu bringen". Der Kritiker wird vom Renaissance-Dichter durch die verschiedenen Stationen der Liebe geleitet: vom Entdecken der Angebeteten über das Sich-Verlieben geht es weiter zur Sehnsucht und schließlich zu den unsäglichen Qualen unerfüllter Liebe. Da schmachtet der Rezensent gerne mit. Es geht aber auch immer wieder um die Sprache selbst: "kann, was ich fühl', ich treffend je beschreiben?", fragt ein zweifelndes lyrisches Ich. Der Band ist dafür gedacht, die Gedichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, eine wissenschaftliche Einordnung gibt es aber trotzdem, freut sich der Kritiker, und zwar durch die "gewitzten Anmerkungen" und das ausführliche Nachwort der Romanistin Franziska Meier. Von Elementen der Troubadour-Dichtung, über antike Mythologie zu einer schlauen Kritik der katholischen "Körperfeindlichkeit" - das alles lässt sich hier entdecken, freut sich ein verzückter Kritiker abschließend.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2025
Rezensent Roman Bucheli empfiehlt Giovanni Boccaccios fast vergessenen Sonette in der Auswahl und Übersetzung von Christoph Färber. Erstmals überhaupt auf Deutsch zu lesen, bieten die Sonette des Florentiners in Färbers reimloser, laut Bucheli dennoch leicht lesbarer und rhythmisch genauer Übertragung viel Sinnlichkeit und einen Gesang auf die Liebe sowie Elegisches über die Unvollkommenheit des Menschen, wie uns der Rezensent bestätigt. Auch seine eigene sieche Körperlichkeit besingt der Dichter hier, erklärt der Rezensent gerührt.
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