Klappentext

Sie gilt als femme fatale der Renaissance, als Giftmörderin, Ehebrecherin und Blutschänderin, die sowohl mit ihrem Vater als auch ihrem Bruder schlief. Doch wer war Lucrezia Borgia wirklich? In ihrem Buch erzählt Friederike Hausmann das Leben dieser Papsttochter und Renaissancefürstin jenseits der schwarzen Legende der Borgia.
Lucrezia (1480 - 1519) war die uneheliche Tochter des Borgia-Papstes AlexanderVI., der 1492 den Stuhl Petri bestieg. Von ihrem Vater als Figur im Spiel um Macht und Land benutzt und mehrfach verheiratet, verlebte Lucrezia ihre erste Lebenshälfte im Schatten der Tiara. Es waren die Jahre der italienischen Kriege, geprägt von Verwüstung, der Syphilis und einer unübertroffenen kulturellen Prachtentfaltung der italienischen Höfe - ein Zeitalter von Glanz und Gewalt, in deren Zeichen auch das Leben Lucrezias stand. War sie zunächst Spielball der wechselnden Allianzen ihres Vaters, so wurde sie nach dessen Tod im Jahr 1503 als Herzogin von Ferrara zur einzigen Überlebenden des Borgia-Clans. Friederike Hausmann zeichnet ein Porträt Lucrezias und ihrer Zeit, das die engen Grenzen weiblicher Selbstentfaltung ebenso aufzeigt wie die Spielräume, die sich einer Fürstentochter trotz allem eröffneten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2019

Pünktlich zum 500. Todestag der Lucrezia Borgia räumt die Münchner Historikerin Friederike Hausmann in ihrer lesenswerten Biografie mit einigen Mythen auf, verkündet Rezensent Wolfgang Hellmich. Allein das Feingefühl, mit dem die Autorin  die Herzogin von Ferrara und uneheliche Papsttochter, die dreimal zwangsverheiratet wurde und im Alter von 39 Jahren bereits acht Kinder zur Welt gebracht hatte, porträtiert, ringt dem Kritiker große Anerkennung ab. Vor allem aber liest er hier nach, wie Borgia in der kulturgeschichtlichen Rezeption zu jener abgefeimten Giftmörderin und femme fatale werden konnte, die anscheinend auch vor Mord und Inzest mit dem eigenen Vater nicht zurückschreckte: Wer Papst Alexander VI. schaden wollte, schoß gegen seine Tochter, informiert Hausmann. So erfährt der Rezensent hier etwa, dass Giovanni Sforza, dessen Ehe mit Lucrezia wegen seiner Impotenz geschieden wurde, offenbar den Inzestvorwurf in die Welt setzte. Dass die Autorin die Herzogin dennoch nicht "reinwäscht", rechnet ihr Hellmich hoch an. Nicht zuletzt lobt er Hausmanns Ansatz, in ihrer an historischem Kontext reichen Biografie auch Lucrezias sozial-, kulturpolitisches und privates Engament zu beleuchten.