Friedrich Burschel (Hg.)

Das Faschistische Jahrhundert

Neurechte Diskurse zu Abendland, Identität, Europa und Neoliberalismus
Cover: Das Faschistische Jahrhundert
Verbrecher Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783957324542
Kartoniert, 250 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Mussolinis Vorhersage eines Jahrhunderts des Faschismus von 1920 reicht bis heute, da weltweit völkische, nationalistische und in vielfacher Hinsicht faschistische Bewegungen auf dem Vormarsch sind, autoritäre Regime an der Macht oder an Regierungen beteiligt sind. Rechtes Denken und faschistische Ideologie sind heute wieder salonfähig und nennen sich "neu", auch wenn die Ideen dahinter steinalt sind und ihre Wurzeln tief ins 20. Jahrhundert hinunterreichen. In ihren Beiträgen klopfen die Autor*innen dieses Bandes, Julian Bruns, Felix Korsch, Felix Schilk, Natascha Strobl und Volkmar Wölk, die aufgeladenen Begriffe "Abendland", "Europa", "Liberalismus" und "Identität" auf ihre Herkunft und Entwicklung und daraufhin ab, welche Bedeutung sie heute für eine Neue Rechte haben, die sich unter anderem auf die sogenannte Konservative Revolution und den Faschismus der 1920er Jahre beruft. Zu hören ist dabei der Widerhall von Krieg, Gewalt und Terrorismus. Das titelgebende Mussolini-Zitat ist Gegenstand des Beitrages des großen britischen Faschismusforschers Roger Griffin in diesem Buch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.10.2020

Rezensent Christopher Wimmer findet die Frage, ob wir uns in einem "faschistischen Jahrhundert" befinden oder nicht, leider nicht beantwortet in dem von Friedrich Burschel herausgegebenen Band mit Beiträgen etwa zum Begriff des "Abendlandes", zum Europa-Begriff der Neuen Rechten oder zu Parallelen zwischen dem Begriff des Neoliberalismus und der Konzeption des Konservatismus. Notwendig und wichtig findet Wimmer gleichwohl den Versuch, Herkunft und Terminologie rechten Denkens zu erkunden, und lehrreich erscheint ihm der Band gewiss.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.10.2020

Sieglinde Geisel lobt die Seriosität der Politikwissenschaft, zu erleben in diesem von Friedrich Burschel herausgegebenen Band mit Essays von Faschismusforschern und Politikwissenschaftlern zu Erscheinungsformen des Faschismus seit den 2000er Jahren. Dass der Band keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern in den Beiträgen einzelnen Begriffen und Phänomenen nachgegangen wird, erklärt Geisel vorweg. Zu diesen Begriffen gehören Sarrazins "Abendland" ebenso wie der Begriff "Jungeuropa", so die Kritikerin. Zeigen ihr einige Autoren im Band "verborgene Traditionslinien", Aneignungen und Umdeutungen (etwa durch die Identitären) auf, verdecken andere ihre Erkenntnisse eher unter neuen Begriffen und Zitaten.

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